Manchmal führen Krisen uns genau dorthin, wo Entwicklung möglich wird. Michael E. Brüssing begleitet Menschen auf diesem Weg mit einer kraftvollen Kombination aus EFT (Emotional Freedom Techniques) und systemischer Aufstellungsarbeit. Seine Arbeit verbindet emotionale Entlastung, innere Klärung und strukturelle Neuorientierung – ein Prozess, der tiefe Veränderung auf mentaler, emotionaler und körperlicher Ebene ermöglicht.
Im Gespräch spricht er darüber, wie sich unbewusste Dynamiken lösen lassen, warum echte Entscheidungskraft aus innerer Balance entsteht und wie Klarheit den Weg für nachhaltige Veränderung öffnet.
Interview mit Michael E. Brüssing

Was hat Sie persönlich dazu bewegt, sich auf EFT und systemische Aufstellungen zu spezialisieren – und was fasziniert Sie an dieser Kombination?
Beide Methoden habe ich bei Menschen gelernt, die mich tief geprägt haben – Persönlichkeiten, die mit ihrer Haltung, ihrer Klarheit und ihrer Präsenz Maßstäbe gesetzt haben. Eine persönliche Krise war für mich damals der Wendepunkt.
Ich spürte deutlich, dass sich etwas verändern musste, und machte mich auf die Suche nach einem Weg, der nicht nur Symptome lindert, sondern echte Veränderung ermöglicht. Dabei begegnete mir EFT – und schon nach den ersten Erfahrungen war mir klar, dass diese Methode funktioniert.
Mich beeindruckte, wie schnell sich durch das Klopfen emotionale Anspannung lösen lässt, ohne dass man belastende Themen endlos „zerdenken“ muss. Dieses unmittelbare Erleben hat mich dazu gebracht, tiefer einzusteigen und mich professionell ausbilden zu lassen.
EFT ist für mich ein äußerst wirksames Werkzeug zur Selbstregulation – praktisch, klar strukturiert und leicht in den Alltag integrierbar.
Man kann damit in akuten Situationen Stress reduzieren und wieder Zugang zu innerer Ruhe, Energie und Entscheidungsfähigkeit finden.
Die systemische Aufstellungsarbeit hat mein Verständnis menschlicher Prozesse noch einmal entscheidend erweitert. Sie ermöglicht einen Blick hinter die offensichtlichen Themen und legt verborgene Dynamiken frei – etwa in Familien, Partnerschaften, Arbeitskontexten oder inneren Konflikten.
Durch das räumliche Sichtbarmachen entstehen neue Perspektiven: Strukturen werden klar, Verstrickungen erkennbar, und bisher unbewusste Bindungen können sich lösen. Oft zeigt sich, dass wir nicht nur unser eigenes Leben leben, sondern auch unbewusste Belastungen und Emotionen aus unserem Herkunftssystem mittragen.
In meiner Praxis kombiniere ich EFT und Aufstellungsarbeit regelmäßig. EFT löst emotionale Blockaden auf körperlich-energetischer Ebene, während Aufstellungen das große Ganze sichtbar machen. Zusammen bilden sie eine kraftvolle Verbindung von innerer Klärung und äußerer Struktur – und ermöglichen so tiefgehende, nachhaltige Veränderung.
Welche Schwerpunkte oder Angebote Ihrer Praxis liegen Ihnen besonders am Herzen, und wie unterstützen diese Menschen dabei, persönliche oder emotionale Themen zu lösen?
Ich arbeite mit Menschen, die spüren: Etwas in meinem Leben läuft nicht so, wie ich es mir wünsche.
Dabei geht es um Themen wie Partnerschaft, Familie, Kommunikation, Ängste oder berufliche Veränderungen.
Meine wichtigste Aufgabe ist zunächst das aktive Zuhören. Danach begleite ich Menschen dabei, ihren Blickwinkel zu erweitern und eigene Lösungen zu finden.
Oft zeigt sich, dass Entscheidungen innerlich längst getroffen sind – aber noch Mut oder Klarheit fehlen, um sie auch umzusetzen. Ein neutraler, wohlwollender Blick von außen kann da entscheidend helfen.
In Ihrer Praxis sprechen Sie von „klaren Entscheidungen in schwierigen Zeiten“. Können Sie ein Beispiel geben, wie Sie Klient*innen dabei unterstützen, innere Klarheit zu finden?
Ein Klient kam zu mir, weil ihn ein großes Firmenprojekt zunehmend belastete. Er war sehr engagiert, investierte viel Energie – und doch kam das Projekt nicht voran. Immer wieder tauchten scheinbar unerklärliche Hindernisse auf, und er fühlte sich blockiert und frustriert.
In der Systemaufstellung wurde schnell deutlich, dass die wahren Hindernisse nicht bei ihm lagen, sondern in der Struktur der Firma selbst. Diese Einsicht war ein Wendepunkt: Plötzlich konnte er loslassen, ohne das Gefühl zu haben, versagt zu haben.
Die Befreiung war nicht nur emotional spürbar – sie wirkte direkt in seinem Alltag. Er gewann wieder Klarheit über seine eigenen Fähigkeiten, Prioritäten und Möglichkeiten. Einige Zeit später traf er sogar die Entscheidung, die Firma zu verlassen – und fand schließlich eine neue berufliche Umgebung, die perfekt zu ihm passt.
Dieses Beispiel zeigt, wie kraftvoll der Blick von außen und das Sichtbarmachen verborgener Strukturen sein kann. Oft sind wir in unseren Rollen gefangen und sehen die Ursachen von Problemen an der falschen Stelle. Mit der richtigen Methode lassen sich Blockaden erkennen, Perspektiven wechseln und Entscheidungen treffen, die sowohl innerlich als auch äußerlich stimmig sind.
Michael E. Brüssing: Psychosoziale Beratung als Begleitung in herausfordernden Lebensphasen

Welche Bedeutung hat der Ansatz der psychosozialen Beratung in Ihrer Arbeit, und wie unterscheidet er sich aus Ihrer Sicht von klassischen psychotherapeutischen Methoden?
Psychosoziale Beratung richtet sich an Menschen, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden. Es geht um aktuelle, oft situationsbedingte Einschränkungen der Lebensqualität.
Durch kleine Veränderungen – im Verhalten, in der Wahrnehmung oder auch im Umfeld – entstehen oft überraschend einfache Lösungen. Wenn ich merke, dass ein Thema psychotherapeutische Begleitung braucht, vermittle ich selbstverständlich weiter.
Ich sehe meine Arbeit als eine Art vorsortierendes System: nicht jeder Mensch, der in einer Krise steckt, braucht gleich eine Therapie – aber manchmal hilft eine beratende Begleitung auch begleitend zu einer Therapie.
Ich vergleiche das gerne mit einem Mobile: Gibt man an einer Stelle einen Impuls, kommt das ganze System in Bewegung – genau das ist der Kern des systemisch-klientenzentrierten Ansatzes.
Manche Menschen stehen Methoden wie EFT oder Aufstellungen zunächst skeptisch gegenüber. Wie begegnen Sie solchen Vorbehalten in Ihrer Arbeit?
Skepsis ist etwas sehr Gesundes – sie zeigt, dass jemand wach und kritisch denkt.
Ich lade Interessierte ein, mit mir ein unverbindliches Gespräch zu führen oder als Repräsentant/In bei einer Aufstellung dabei zu sein. So kann man die Wirkung selbst erleben. Es ist wie beim Essen: Man muss es probieren, um zu wissen, ob es einem schmeckt.
Gab es ein besonderes Erlebnis oder Ereignis in Ihrem Leben, das Sie in Ihrer Arbeit nachhaltig geprägt oder bestärkt hat?
Ja, viele. Während meiner EFT-Ausbildung konnte ich eigene alte Verletzungen auflösen – und die Fortbildung zur systemischen Aufstellungsarbeit in Berlin hat mein Leben buchstäblich „vom Kopf auf die Füße“ gestellt.
Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, dass Veränderung möglich ist – und dass in jeder Krise eine enorme Entwicklungschance steckt.


