Mit viel Feingefühl und einem besonderen Blick für die leisen, oft übersehenen Augenblicke begleitet Eva Vycitalova Familien und Paare durch die emotionalsten Phasen ihres Lebens. Ihre Fotografie geht dabei weit über klassische Bilder hinaus und schafft Erinnerungen, die berühren und bleiben.
Im Interview erzählt sie, warum Authentizität, Vertrauen und eine entspannte Atmosphäre entscheidend sind und wie es gelingt, echte Momente für die Ewigkeit festzuhalten.
Eva Vycitalova im Interview

Fotocredit „Eva Vycitalova Photography“
Was hat Sie dazu bewegt, Hochzeiten und Familien fotografisch zu begleiten – und warum sind gerade diese Lebensphasen für Sie so besonders?
Als Mutter von zwei Kindern weiß ich, dass das Familienleben selten ruhig, ordentlich oder vorhersehbar ist und dass die wertvollsten Momente oft ganz nebenbei passieren.
Das erste bewusste Lächeln eines Babys. Der stolze Blick eines Kindes, das etwas zeigen möchte. Eine kleine Hand, die unsere sucht, wenn Unsicherheit da ist. Viele dieser Momente geschehen ganz leise und bleiben im Alltagschaos oft unbemerkt.
Nach der Geburt meines zweiten Kindes schrieb ich einmal in mein Tagebuch, ich würde am liebsten all diese kleinen Erinnerungen in Einmachgläsern aufbewahren, um sie später wieder öffnen und noch einmal kosten zu können. Damals wusste ich nicht, wie das möglich sein sollte.
Heute weiß ich, dass Fotografie genau das für mich ist – eine Möglichkeit, die schönsten und wichtigsten Augenblicke unseres Lebens zu bewahren.
Auch Hochzeiten bedeuten mir als Fotografin sehr viel. Sie sind für mich ein besonderer Cocktail aus Emotionen. Ich bin überzeugt, dass die bedeutungsvollsten Bilder dann entstehen, wenn alles ganz natürlich geschehen darf – ohne starre Posen oder erwartete Pflichtmomente.
Darum halte ich nicht nur die großen Highlights des Tages fest, sondern auch die stillen Blicke, ein nervöses Lächeln, strahlende Gesichter, Freudentränen und all die flüchtigen Momente dazwischen, die jeden Hochzeitstag einzigartig machen.
Sie beschreiben Ihre Herangehensweise als intuitiv und entspannt. Wie schaffen Sie es, selbst kamerascheuen Menschen natürliche Momente zu entlocken?
Auch mit viel Erfahrung als Fotografin sehe ich mich nie in der Position, alles besser zu wissen. Ich bringe mein Wissen mit, aber die Menschen vor meiner Kamera kennen sich und einander am besten. Vor jedem Shooting spreche ich deshalb ganz offen darüber, dass authentische Bilder gemeinsam entstehen.
Der Zauber ungestellter Bilder liegt darin, die gemeinsame Zeit vor der Kamera wirklich zu genießen – nicht nur nebeneinander zu stehen, sondern wirklich miteinander zu sein.
Ich glaube, Menschenfotografie hat viel mit Psychologie zu tun. Menschen müssen sich sicher fühlen, um sich zeigen zu können. Ich bin selbst eher introvertiert und kann gut nachvollziehen, dass nicht jeder gern vor der Kamera steht. Vielleicht hilft genau das.
Ich nehme mich selbst nicht zu ernst, bleibe natürlich und ohne Erwartungen. Wenn ich echt bin, dürfen es andere auch sein. Gerade kamerascheue Menschen brauchen keinen Druck, sondern eine entspannte Atmosphäre.
Deshalb sage ich auch ganz ehrlich, dass sich die ersten Minuten manchmal ungewohnt anfühlen dürfen. Wenn sie das hören, vergeht dieses Gefühl fast immer schnell. Oft sagen mir Menschen am Ende sogar, dass das Shooting richtig Spaß gemacht hat.
Viele Ihrer Shootings finden an besonderen Orten in Wien statt oder direkt bei Familien zu Hause. Welche Rolle spielt die Umgebung für authentische Bilder?
Die Umgebung spielt für authentische Bilder eine wichtige Rolle. Wenn sich jemand entspannt fühlt, entstehen natürliche Momente viel leichter. Deshalb gibt es für mich keinen perfekten Ort für alle, sondern immer den Ort, der zu den Menschen passt.
Mit Familien und Kindern mache ich oft lockere Spaziergänge im Grünen, am besten an ihrem Lieblingsplatz. Ich habe Familien aber auch schon mitten im Alltag begleitet – auf dem Spielplatz, in einer Konditorei, in der Bücherei oder beim gemeinsamen Kochen.
Gerade kleine Kinder fühlen sich in vertrauter Umgebung oft freier als an einem fremden Ort. Bei Neugeborenen oder Babys schlage ich fast immer ein entspanntes Shooting zu Hause vor, weil dort alles da ist, was die Familie braucht, und kein zusätzlicher Stress entsteht.
Manche Menschen wünschen sich auch ganz bewusst Wien als Teil ihrer Geschichte. Besonders bei Reisenden und bei Abschiedsshootings für internationale Familien, die Wien verlassen, wird auch die Umgebung selbst Teil der Erinnerung. Dann fotografiere ich nicht nur die Menschen, sondern auch ihre persönliche Verbindung zu dieser Stadt.
Eva Vycitalova: Kulturelle Vielfalt als Bereicherung für echte Momente

Fotocredit „Eva Vycitalova Photography“
Sie fotografieren sowohl österreichische Familien als auch internationale Paare und Expats. Was macht diese kulturelle Vielfalt für Ihre Arbeit spannend?
Wien ist eine sehr internationale und kulturell vielfältige Stadt, in der viele Expat-Familien leben. Die kulturelle Vielfalt macht meine Arbeit spannend, weil sie mir immer wieder zeigt, wie unterschiedlich Menschen leben und wie ähnlich wir uns in den wichtigsten Momenten doch sind.
Liebe, Fürsorge, Nervosität, Freude oder Stolz erlebe ich in fast allen Kulturen, auch wenn Gefühle oft unterschiedlich gezeigt und gelebt werden.
Natürlich bringt jede Familie oder jedes Paar auch eigene Traditionen, Werte und eine besondere Dynamik mit. Manche Menschen zeigen Gefühle sehr offen, andere eher leise. Gerade das macht jede Begegnung besonders und hält meine Arbeit lebendig.
Oft begleiten Sie Paare über viele Jahre hinweg – vom ersten Shooting bis zur wachsenden Familie. Was bedeutet diese langfristige Verbindung für Sie persönlich?
Es bedeutet mir sehr viel, wenn Menschen über Jahre hinweg immer wieder zu mir zurückkommen. Für mich ist das eines der schönsten Zeichen von Vertrauen.
Jemand lässt mich nicht nur einmal an einem besonderen Moment teilhaben, sondern immer wieder an neuen Kapiteln seines Lebens.
Ich erlebe Paare manchmal beim ersten Shooting, später bei ihrer Hochzeit und irgendwann mit einem Baby oder einer wachsenden Familie wieder. Das berührt mich jedes Mal. Bei jedem weiteren Shooting sehe ich, wie wertvoll es war, einen Moment festzuhalten, der heute schon vergangen ist. Es zeigt mir auch, wie schnell das Leben vergeht und wie wertvoll Erinnerungen sind.
Gab es einen Moment oder ein Shooting, das Ihnen besonders gezeigt hat, wie wichtig echte, ungestellte Erinnerungen sind?
Bei fast jedem Shooting gibt es Momente, die mir zeigen, wie wichtig echte, ungestellte Erinnerungen sind. Die Freude eines Kindes, das in die Arme der Mutter läuft. Das gemeinsame Lachen der Eltern, wenn sie ihre Kinder beobachten.
Oder der stille Augenblick, in dem ein Kind Schutz in den Armen seiner Mama sucht. Es sind oft gerade diese alltäglichen und gleichzeitig so bedeutenden Momente, die am Ende das Wichtigste sind, was wir im Leben haben.
Manchmal gibt es bei einem Shooting auch ganz besondere Überraschungen. Vor Kurzem fotografierte ich ein Familientreffen in Wien, bei dem Verwandte aus verschiedenen Ländern zusammenkamen.
Kurz vor dem Ende des Shootings verriet mir einer der Männer leise, dass er gleich einen Heiratsantrag machen würde. Wenige Minuten später wurde aus einem Familienfoto ein unvergesslicher Lebensmoment.
Solche Augenblicke zeigen mir immer wieder, warum ich meine Arbeit genauso liebe. Ich möchte, dass Menschen später auf den Bildern nicht nur sehen, wie sie damals aussahen, sondern diese Momente vor allem wieder fühlen können. Genau dann werden Fotografien mehr als schöne Bilder. Sie werden zu einem Ort für Erinnerungen.
Über Eva Vycitalova:
Eva Vycitalova wurde in Prag geboren. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Wien, wo sie als Familien- und Hochzeitsfotografin tätig ist. Mit großer Freude begleitet sie seit einigen Jahren Menschen in besonderen Lebensmomenten. Ihre Ruhe und ein wacher Blick für echte Verbindungen ermöglichen ihr, die flüchtigen alltäglichen Momente einzufangen und in wertvolle Erinnerungen zu verwandeln.


