Doris Dacho begleitet Menschen mit Empathie, Klarheit und tiefem Verständnis auf ihrem Weg durch Veränderung, Trauer und persönliche Entwicklung. Mit Dasein Dialog hat sie eine Praxis geschaffen, in der Zuhören, Präsenz und echter Kontakt im Mittelpunkt stehen.
Ob in der Trauerbegleitung, in Paar- oder Einzelgesprächen oder bei Hausbesuchen – sie schafft Räume, in denen Menschen wieder Vertrauen in sich selbst und das Leben finden können. Im Gespräch erzählt Doris Dacho, wie Dialog Heilung ermöglicht und warum achtsame Kommunikation der Schlüssel zu echter Verbindung ist.
Interview mit Doris Dacho

Was hat Sie dazu geführt, Dasein Dialog zu gründen, und welche persönlichen Erfahrungen haben Sie dorthin inspiriert?
Die Idee zu Dasein Dialog entstand aus einer tiefen Überzeugung: dass echte Veränderung erst dort geschieht, wo Menschen sich gesehen, gehört und verstanden fühlen. Nach vielen Jahren im sozialen Bereich und in der Beratung wurde mir immer klarer, wie sehr Zuhören und echter Dialog heilsam wirken können – besonders in Krisen, in der Trauer oder in festgefahrenen Lebenssituationen.
Mein beruflicher Weg war immer eng mit menschlichen Themen verbunden. Die Ausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin und später das Masterstudium in psychosozialer Beratung mit dem Schwerpunkt Sterbeverfügungsgesetz und Gewaltfreie Kommunikation haben mich darin bestärkt, Brücken zu bauen zwischen Menschen, ihren Gefühlen und Bedürfnissen.
Dasein Dialog steht für achtsames, respektvolles Miteinander – für Präsenz, Verständnis und Wachstum.
Was verstehen Sie unter „Dialog“ im Rahmen Ihrer Arbeit, und warum ist er für Ihr Wirken so zentral?
Ein Dialog ist mehr als nur Worte.
Dialog bedeutet für mich, nicht nur zu sprechen, sondern wirklich in Verbindung zu treten. Das heißt: mit offenem Herzen und wacher Aufmerksamkeit zuzuhören, ohne sofort zu bewerten oder zu deuten.
In meiner Arbeit ist der Dialog die Brücke zwischen dem, was jemand fühlt, und dem, was gesagt oder gezeigt werden kann. Ich sehe ihn als einen lebendigen Prozess, der Verständnis, Empathie und Klarheit fördert.
Viele Menschen erleben im Alltag eher Monologe – sie sprechen und müssen hören zu, aber werden selbst nicht gehört. Wenn im Beratungsraum echter Dialog entsteht, spüren Menschen plötzlich: Ich darf sein, wie ich bin – und es ist ok!
Was ist Ihnen in der Trauerbegleitung besonders wichtig – sei es bei Menschen, die einen nahestehenden Menschen oder ein geliebtes Haustier verloren haben?
Trauer ist keine Schwäche. Sie ist der Preis, den wir für Liebe bezahlen.
Trauer ist so individuell wie der Mensch selbst. Kein Verlust gleicht dem anderen, und jeder braucht seine eigene Zeit und Form, um ihn zu verarbeiten. Mir ist wichtig, Trauer nicht zu pathologisieren, sondern sie als natürlichen Prozess zu würdigen – als Ausdruck von Liebe, Verbundenheit und Wandel.
Ich begleite Menschen darin, ihre Trauer aktiv zu spüren und zu zulassen, ohne sich darin zu verlieren. Oft entstehen in diesen Gesprächen Rituale, kleine Schritte der Heilung. „Trauer darf sein – und sie darf sich wandeln. Das ist der Beginn von neuer Lebendigkeit.“
Besonders in der Begleitung von Menschen, die ein Haustier verloren haben, zeigt sich, wie tief Trauer reichen kann, wie wichtig es ist, diese Gefühle ernst zu nehmen, statt sie zu bagatellisieren. Ein „Du musst loslassen“ gibt es nicht. Klienten wollen nicht loslassen. Es geht vielmehr um ein Umwandeln, von Schmerz in Liebe.
Doris Dacho: Grenzen setzen, verbunden bleiben

Welche Themen begegnen Ihnen in Ihrer Paar- und Einzelberatung am häufigsten – und was entlastet Ihre Klient:innen am meisten?
Im Grunde geht es immer um Verbindung – zu sich selbst und zu anderen.
Viele Menschen haben nie gelernt, ihre Bedürfnisse und Gefühle klar zu äußern, ohne zu verletzen.
Hier bietet die Gewaltfreie Kommunikation wertvolle Werkzeuge, um in Beziehung zu bleiben, auch wenn es schwierig wird. Im Einzelsetting stehen häufig Themen wie Überforderung, Selbstzweifel oder innere Erschöpfung im Mittelpunkt.
Die größte Entlastung erfahren Menschen, wenn sie erkennen und spüren: „Ich darf Grenzen setzen. Ich darf Nein sagen. Ich darf mich selbst wichtig nehmen Ich muss nicht immer funktionieren – ich darf einfach sein.“
Die Sozialbegleitung umfasst auch Hausbesuche und Unterstützung in Alltagssituationen. Welche Bedeutung hat dieser persönliche, praktische Zugang für die Menschen, die zu Ihnen kommen?
Hausbesuche sind eine besonders wertvolle Form der Begleitung für Klienten, welche nicht in meine Praxis kommen wollen oder können. Sie ermöglichen einen authentischen Einblick in die Lebensrealität und schaffen eine Atmosphäre des Vertrauens. Viele öffnen sich in ihrem gewohnten Umfeld leichter, weil sie sich sicher fühlen.
Für mich ist diese Arbeit sehr bereichernd und spannend, weil sie Theorie und Praxis verbindet: Ich kann beraten, zuhören und gleichzeitig ganz praktisch unterstützen – etwa beim Strukturieren des Alltags oder beim Umgang mit Behörden. Es sind oft die kleinen, konkreten Schritte, die große Veränderungen ermöglichen.
Gibt es ein Erlebnis, bei dem Sie besonders stark gespürt haben, dass Ihr Dialogansatz für jemanden eine positive Veränderung bewirkt hat?
Ja, viele. Besonders in Erinnerung ist mir eine Klientin, die durch einen drohenden schweren Verlust sehr erschrocken und ängstlich war. Sie beschrieb sich selbst als „überfordert“. In mehreren Sitzungen arbeiteten wir mit Symbolen, Aufstellungen, inneren Bilder und Atemübungen, bis sie sich sicher war und sagte: „Ich kann das, ich schaffe das, ich stehe das durch. Es ist, was es ist und es ist ok, so ist das Leben.“
Das war ein berührender Moment, weil er zeigte, dass Dialog nicht nur zwischen Menschen stattfindet, sondern auch im Inneren – zwischen Kopf, Herz und Seele. Wenn dieser innere Dialog wieder in Fluss kommt, kann Heilung geschehen.
Über Doris Dacho:
Ich bin Doris Dacho, Master of Science (MSc) in der psychosozialen Beratung, zertifizierte Lebens- und Sozialberaterin, Fachtrainerin, eingetragene Expertin für Trauerbegleitung und Supervision in der Wirtschaftskammer Österreich und Gesundheitspartner der SVS.
In meiner Praxis Dasein Dialog begleite und unterstütze ich Menschen in herausfordernden Lebensphasen – achtsam, wertschätzend, empathisch, strukturiert, gepaart mit innerer Klarheit und der Überzeugung, dass echter Dialog der Schlüssel zu innerem Wachstum ist. Ich arbeite mit Einzelpersonen, Paaren und Gruppen – in Präsenz, telefonisch oder online.


