Interviews

Elke Altenberger: Räume erzählen Geschichten – und beginnen immer bei den Menschen

Interior Designerin Elke Altenberger gehört zu jenen Gestalter:innen, für die Räume weit mehr sind als ästhetische Kompositionen. Seit über zwei Jahrzehnten entwickelt sie Interiors, die Persönlichkeit, Atmosphäre und Lebensgewohnheiten ihrer Auftraggeber sichtbar machen. Trendunabhängig, präzise und tief im Dialog mit dem Menschen, der darin wohnen wird.

Im Gespräch mit wien-eins.at erzählt Elke Altenberger, wie sie Räume zum Sprechen bringt, warum Zuhören oft wichtiger ist als Entwerfen und wie Identität zur Grundlage guter Gestaltung wird.

Interview mit Elke Altenberger

Elke Altenberger Interview

Was hat Ihr Interesse an Interior Design ursprünglich geweckt und Sie dazu inspiriert, diesen beruflichen Weg einzuschlagen?

Ich würde sagen:

Es war mein Weg – und der Wegbereiter war ein Zufall.

Ein befreundeter Künstler hat mich vor rund 25 Jahren in ein Projekt eingebunden, und ab diesem Moment hat sich alles organisch weiterentwickelt. Ich habe nicht bewusst beschlossen: „Ich werde Interior Designerin.“ Es war eher so, als hätte das Interior Design beschlossen, mich mitzunehmen.

Mit jedem neuen Projekt wurde klarer, dass mich Räume nicht nur interessieren – sie ziehen mich hinein. Sie sind Umfeld von Persönlichkeit. Die Verbindung aus Kreativität, Analyse, Materialgefühl und menschlicher Nähe hat mich vom ersten Tag an fasziniert. Und diese Faszination trägt mich bis heute.

Was ist Ihnen bei der Planung eines neuen Interiors besonders wichtig – eher die Funktionalität, die Atmosphäre oder die Persönlichkeit des Kunden?

Für mich steht immer der Mensch im Mittelpunkt.
Der Kunde ist der Fixpunkt, um den sich alles dreht.

Seine Familienstruktur, seine Hobbys, die täglichen Abläufe, seine Geschichte und selbstverständlich sein Geschmack: All das bildet den Kern jeder Planung. Die Architektur des Raumes setzt dann die Rahmenbedingungen, innerhalb derer wir Funktionalitäten und Atmosphäre intelligent integrieren können.

Ich glaube fest daran, dass ein Interior erst dann wirklich gut ist, wenn es den Menschen, der darin lebt, widerspiegelt.

Funktionalität und Atmosphäre sind dabei keine Gegenspieler – sie ergänzen die Persönlichkeit des Auftraggebers und machen sie sichtbar und erlebbar.

Wie nähern Sie sich einem neuen Projekt an, wenn Kund:innen noch keine klare Vorstellung haben, wohin die Reise gehen soll?

Mit viel Reden aber noch mehr Zuhören.
Der persönliche Austausch ist für mich das wertvollste Werkzeug in dieser Phase.

Zuerst erhebe ich den IST-Zustand – was funktioniert, was stört, wie fühlt man sich im Raum? Danach definieren wir gemeinsam den SOLL-Zustand: Wie soll sich das Zuhause künftig anfühlen? Welche Situationen wollen wir ermöglichen? Was im Alltag soll leichter werden?

Um eine stilistische Orientierung zu entwickeln, arbeite ich gerne mit Pinterest-Eindrücken. Das ist für viele Kund:innen ein spielerischer Zugang, um herauszufinden, in welche Richtung es gehen könnte.

Oft sind die spontanen Reaktionen – „Das berührt mich“ oder „Das ist gar nicht meins“ – die wichtigsten Bausteine für die spätere Gestaltung.
So entsteht langsam ein Bild, und irgendwann spürt man: Jetzt ist am richtigen Weg.

Und was wenige wissen: Es gibt oftmals nur ein Kernstück im Wohnbereich, von dem eine gesamtheitliche Komposition ausgeht. Ein Stück Geschichte, Erinnerung, Kunst.

Elke Altenberger: Vielfalt statt Trends – jeder Raum hat seinen eigenen Charakter

Elke Altenberger Interior Design&Consulting

Welche Materialien, Farben oder Stilrichtungen begeistern Sie aktuell am meisten – und warum?

Am meisten begeistert mich, dass wir heute eine unglaubliche Vielfalt zur Verfügung haben.

Es gibt nicht den einen Trend – sondern viele.

Und genau das erlaubt es uns, wirklich maßgeschneidert zu arbeiten.

Jeder Raum braucht etwas anderes:

  • In kleineren Räumen funktionieren beispielsweise Midcentury Design Details (nicht gesamt nur Details) sehr gut – organisch, fröhlich.
  • Große Räume dagegen vertragen Contemporary oder Bauhaus-inspirierte Ansätze, neu interpretiert und zeitgemäß umgesetzt und sensibel abgestimmt.

Material- und Farbentscheidungen treffe ich grundsätzlich kontextbezogen: Wer lebt hier? Wie nutzt man den Raum? Welche Lichtstimmung herrscht? Welche Proportionen?

Räume sind wie Menschen – sie haben Charakter. Und der darf sichtbar werden.

Gibt es ein Projekt, bei dem Sie das Gefühl hatten, dass Design und Persönlichkeit der Auftraggeber besonders schön zusammengefunden haben?

Ja – und ehrlich gesagt hoffe ich, dass das bei jedem unserer Projekte so ist.
Wir entwickeln bewusst kein Mainstream-Design. Unsere Arbeit entsteht aus der Persönlichkeit unserer Auftraggeber. Wenn Design und Mensch im Einklang stehen, dann fühlt sich der Raum „richtig“ an – nicht inszeniert, nicht bemüht, sondern authentisch und selbstverständlich. Meine Kunden wohnen darin nicht ich.

Ein Raum, der aus der Persönlichkeit heraus entwickelt wurde, hat eine ganz natürliche Ruhe. Er wirkt nie „zu viel“ und nie „zu wenig“ – er ist einfach stimmig.

Wie gelingt es Ihnen, zeitlose Gestaltung mit modernen Trends zu verbinden, ohne dass ein Raum an Charakter verliert?

Das ist eine wunderbare Frage, denn genau hier beginnt oft die eigentliche Kunst des Interior Designs.

Der Schlüssel liegt in der Geschichte der Auftraggeber und seine Veränderungsbereitschaft. Viele Menschen besitzen Objekte, die ihnen etwas bedeuten – Sammelstücke, Erbstücke, Kunstwerke. Diese gezielt einzusetzen, ihnen Raum und Wertschätzung zu geben, und sie gleichzeitig in einen zeitgenössischen Kontext einzubetten, ist eine besonders schöne Aufgabe.

Es geht darum, die Balance zu finden:
Ein Objekt mit Geschichte darf präsent sein, aber nicht dominieren. Es soll wirken, aber nicht stören. Wenn das gelingt, entsteht eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die absolut zeitlos ist.

Nicht jeder möchte seine persönliche Geschichte in das neue Zuhause einbringen. In solchen Fällen ist Kunst eine wunderbare Möglichkeit, einem Raum Leben, Tiefe und eine individuelle Note zu geben. Kunst kann verbinden, beleben, beruhigen, überraschen – und sie altert nicht.

Zeitlosigkeit bedeutet für mich:
Ein Raum soll auch in zehn Jahren noch selbstverständlich wirken.

Dafür setze ich Trends bewusst dosiert ein – wie Gewürze in der Küche. Ein Hauch kann Großartiges bewirken, aber zu viel lässt den Charakter verschwinden.

Über Elke Altenberger:

Was ist die größte Freude an Ihrem Beruf?

Dass jeder Tag anders ist.
Dass jeder Raum eine neue Geschichte erzählt.
Und dass ich Menschen begleiten darf, während sie ein Zuhause schaffen, das sie wirklich widerspiegelt.

Interior Design ist für mich kein dekorativer Beruf. Es ist ein zutiefst persönlich.

Website

What's your reaction?

Aufregend
0
Interessant
0
Liebe es
0
Unsicher
0

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Next Article:

0 %