Sprachen verbinden Menschen – dieser Gedanke prägt die Arbeit von Milica Vuković, der Gründerin von Sprachpunkt. Aus ihrer persönlichen Suche nach einem authentischen, menschlichen Lernumfeld entstand ein Ort, an dem Sprache nicht nur gelernt, sondern im Alltag erlebt wird.
Sie erzählt, wie sich Sprachpunkt weiterentwickelt hat, welche Werte dahinterstehen und warum persönliche Betreuung für sie unverzichtbar ist. Ihr Ansatz zeigt, wie Sprachlernen zu echter Orientierung und Begegnung führen kann. Damit schafft sie ein Lernumfeld, das Menschen nachhaltig stärkt.
Interview mit Milica Vuković

Was war der ausschlaggebende Moment oder die Motivation, Sprachpunkt zu gründen, und wie hat sich Ihr Konzept seit der Gründung entwickelt?
Der ausschlaggebende Moment war eigentlich meine persönliche Suche nach einem Umfeld, in dem ich wirklich hinter meiner Arbeit stehen kann. In früheren Tätigkeiten habe ich gemerkt, dass ich mich nur dann voll engagieren kann, wenn ich an den Sinn und die Qualität meiner Arbeit glaube.
Ich bin jemand, der sich mit Herz und viel Zeit in seine Projekte einbringt – deshalb war mir klar, dass ich etwas Eigenes schaffen muss, das zu mir passt.
Sprachpunkt ist also aus dem Wunsch entstanden, einen Ort zu schaffen, an dem Lernen persönlich, menschlich und praxisnah ist. Ich wollte weg von anonymen Sprachkursen hin zu einer Atmosphäre, in der man sich wohlfühlt und individuell wahrgenommen wird.
Seit der Gründung hat sich unser Konzept kontinuierlich weiterentwickelt – wir sind flexibler geworden, haben digitale Elemente integriert und legen noch mehr Wert darauf, die Kurse an die Bedürfnisse unserer Teilnehmenden anzupassen.
Ihr Kursangebot reicht von Intensivkursen über Einzelunterricht bis zu Firmenkursen — welche Zielgruppe reizt Sie persönlich am meisten und warum?
Am meisten arbeite ich momentan mit Integrationskursen, und das ist für mich eine unglaublich erfüllende Arbeit. Diese Kurse sind für viele Menschen ein ganz wichtiger Schritt – sprachlich, beruflich und auch emotional. Man begleitet sie in einer sehr intensiven Lebensphase, und es ist schön zu sehen, wie Sprache ihnen neue Türen öffnet.
Unsere Gruppen sind bewusst klein, was intensives Lernen und persönliche Betreuung ermöglicht. Dadurch entsteht eine besondere Dynamik, in der sich die Teilnehmenden gegenseitig unterstützen.
In Zukunft möchte ich unser Angebot für Firmenkurse weiterentwickeln – ich sehe darin ein großes Potenzial, vor allem im Bereich beruflicher Integration und innerbetrieblicher Kommunikation.
Welche Rolle spielt bei Ihnen die Verbindung von Sprache und Integration – also nicht nur Deutschlernen, sondern auch Orientierung im österreichischen Alltag?
Sprache und Integration gehören für mich untrennbar zusammen.
Man kann eine Sprache nicht wirklich lernen, wenn man sie nicht im Alltag anwendet. Deshalb versuchen wir im Unterricht, reale Situationen aufzugreifen – von einem Arztbesuch bis hin zu Gesprächen im Supermarkt oder bei der Arbeit.
Ich sehe es als unsere Aufgabe, nicht nur Grammatik und Wortschatz zu vermitteln, sondern auch Orientierung im österreichischen Alltag. Viele unserer Teilnehmenden sind neu im Land, und Sprache ist für sie der Schlüssel, um sich sicher und selbstständig zu bewegen. Genau da setzen wir an – praxisnah, verständnisvoll und motivierend.
Milica Vuković: Moderne Kursformate und echte Flexibilität bei Sprachpunkt

Wie stellen Sie sicher, dass die Kurse bei Sprachpunkt modern und flexibel bleiben (z. B. digitale Tools, Online-Unterricht, kleine Gruppen)?
Unsere kleinen Gruppen – maximal acht Personen – sind seit Beginn Teil unseres Konzepts, und ich stehe zu dieser Philosophie. In kleinen Gruppen kann man individuell arbeiten, flexibel reagieren und auf jeden einzelnen eingehen. Das ist mir sehr wichtig.
Was den Online-Unterricht betrifft: Das ist ein Bereich, der noch viel Potenzial hat. Bisher war es eher ein ergänzendes Projekt, weil der Aufbau und die Pflege digitaler Kurse sehr zeitintensiv sind. Aber ich sehe darin eine große Chance und möchte diesen Bereich künftig gezielt ausbauen. Viele neue Ideen sind bereits in Arbeit, aber für deren sorgfältige Umsetzung braucht es natürlich Zeit.
Unser Ziel ist es, moderne, praxisnahe Formate zu entwickeln, die sowohl vor Ort als auch online funktionieren – immer mit dem Fokus auf Qualität, persönlicher Betreuung und echter Flexibilität.
Können Sie uns ein Beispiel nennen, bei dem ein Teilnehmer dank Ihres Kurses eine bedeutende Veränderung in seinem Leben erfahren hat?
Eine Teilnehmerin fällt mir besonders ein: Sie brauchte dringend das B1-Zertifikat, um in ihrem Beruf weiterzukommen. Sie war sehr engagiert, aber auch unsicher. Gemeinsam haben wir intensiv an ihren Schwächen gearbeitet, Schritt für Schritt, und nach einiger Zeit hat sie die Prüfung mit sehr gutem Erfolg bestanden.
Heute arbeitet sie in einer höheren Position – und hat mir geschrieben, dass der Kurs ihr nicht nur sprachlich, sondern auch persönlich viel Selbstvertrauen gegeben hat.
Solche Geschichten berühren mich jedes Mal sehr. Ich habe auch schon mehrere Teilnehmende gehabt, die sich am Ende des Kurses in Tränen verabschiedet haben – einfach, weil sie sich verstanden, unterstützt und gesehen gefühlt haben.
Dieses Vertrauen und die Dankbarkeit sind für mich die schönste Bestätigung.
Es zeigt, dass unser Ansatz funktioniert: Wir sind nicht nur Sprachtrainer, sondern auch Begleiter in einem wichtigen Lebensabschnitt.
Wie sehen Ihre Pläne oder Visionen für die Zukunft von Sprachpunkt aus – gibt es neue Angebote, neue Standorte oder besondere Schwerpunkte, die Sie künftig setzen möchten?
Mein Ziel ist es, Sprachpunkt langfristig weiterzuentwickeln – sowohl inhaltlich als auch strukturell. In Zukunft möchte ich ein durchdachtes Online-Angebot aufbauen, das auch Menschen außerhalb Wiens erreicht. Dabei soll die Qualität, die persönliche Betreuung und das familiäre Lernklima erhalten bleiben, das uns auszeichnet.
Ein weiterer Schwerpunkt wird die Entwicklung von maßgeschneiderten Sprachprogrammen für Unternehmen sein. Viele Firmen erkennen inzwischen, dass Sprachförderung nicht nur die Kommunikation verbessert, sondern auch das Arbeitsklima stärkt und Integration am Arbeitsplatz fördert.
Ich wünsche mir, dass Sprachpunkt in Zukunft ein Ort bleibt, an dem Lernen persönlich, flexibel und inspirierend ist – unabhängig davon, ob im Klassenzimmer oder online.
Über Milica Vuković:
Milica Vuković geboren 1996 in Banja Luka, kam vor zehn Jahren nach Wien. Dort absolvierte sie ihren Bachelor- und Masterstudiengang in Vergleichender Literaturwissenschaft und begann anschließend ein Doktoratsstudium an der Universität Graz im Fach Slawistik. Viele Jahre arbeitete sie als Journalistin, entschied sich jedoch schließlich dafür, sich ganz dem zu widmen, was sie liebt: Sprachen und Unterricht. So gründete sie im April 2025 ihre Sprachschule Sprachpunkt.


