Marion Skodler hat sich mit ihrem Studio auf Baby- und Neugeborenenfotografie spezialisiert – eine Arbeit, die Sensibilität, Ruhe und echtes Einfühlungsvermögen erfordert. Schon früh entdeckte sie ihre besondere Verbindung zu Neugeborenen und fand darin ihre Berufung. In ihren „Herzensbildern“ fängt sie die einzigartigen Momente ein, in denen Liebe, Geborgenheit und Persönlichkeit sichtbar werden.
Im Interview spricht Marion Skodler über ihre Motivation, den Weg in die Babyfotografie, die Bedeutung von Vertrauen und Atmosphäre im Studio und warum jedes Shooting für sie eine kleine Herzensgeschichte ist.
Interview mit Marion Skodler

Was war Ihre Motivation, sich auf Baby- und Neugeborenenfotografie zu spezialisieren, und wie haben Sie sich in diesem Bereich weiterentwickelt?
Mein ursprünglicher Berufswunsch war eigentlich Säuglingsschwester. Meine Eltern haben mir aber abgeraten, da dieser Beruf, ihrer Meinung nach, nicht familienfreundlich ist und sie meinten, ich wäre zu sensibel für diesen Beruf.
Heute weiß ich, dass sensible Menschen besonders gut mit Neugeborenen umgehen können. Jedes Baby ist vom ersten Tag an ein einzigartiges Wesen mit einzigartiger Persönlichkeit, die man selbst Tage nach der Geburt schon erahnen kann. Sich schnell auf das Baby einzustellen und auf die individuellen Bedürfnisse jedes einzelnen Babys einzugehen, erfordert Sensibilität und Einfühlungsvermögen.
Während ich die Ausbildung zur Fotografin machte, war eine Freundin von mir schwanger und ich bot ihr an, ihr Baby zu fotografieren. Nach diesem ersten Neugeborenen-Shooting in meinem Leben wusste ich – ich werde nie wieder beruflich etwas Anderes machen.
Sie bezeichnen Ihre Fotos als „Herzensbilder“. Was verstehen Sie darunter – und wie gelingt es Ihnen, diesen emotionalen Aspekt in Ihren Aufnahmen sichtbar zu machen?
Meine Kunden kommen ein paar Tage nach dem Shooting zu mir ins Studio zur Bildauswahl. Zuerst sehen sie eine Präsentation aller entstandenen Bilder mit Musikuntermalung.
Bei jeder Bildauswahl kommt es vor, dass bei diesem ersten Anblick eines Bildes Tränen fließen oder die Eltern „oh, wie schön“ murmeln. Genau das verstehe ich unter einem Herzensbild. Ein Bild, das vom ersten Anblick an tief berührt und das man einfach von Herzen liebt.
Herzensbilder entstehen immer aus dem individuellen Moment.
Ein authentisches Anlächeln, eine Emotion, eine Berührung – meist dann, wenn die Stimmung locker ist und die Kunden fast ein wenig vergessen haben, dass sie fotografiert werden. Meine Aufgabe ist es also, die Atmosphäre beim Shooting so entspannt wie möglich zu halten.
Ihr Studio bietet umfassenden Premium-Service. Wie sorgen Sie dafür, dass Ihre Kund:innen sich beim Shooting wohlfühlen?
Nach dem Erstkontakt lade ich die Kunden zu einem Kennenlernen im Studio ein. Das ist einer der wichtigsten Punkte meines Premium-Services. Wir lernen uns in gemütlicher und entspannter Atmosphäre kennen. Sie können mir Fragen stellen und ich finde eine ganze Menge über die Kunden heraus, was dann ins Shooting einfließt und die Bilder so besonders und individuell macht.
Dass die Chemie zwischen uns stimmt, ist eine Grundvoraussetzung, denn ein Neugeborenen-Shooting ist hochsensibel. Es findet in den ersten Tagen nach der Geburt statt – in einem Zeitraum, in dem die Eltern noch im absoluten Ausnahmezustand sind. Hier ist es besonders wichtig, schon vorab eine vertraute Basis geschaffen zu haben. Denn nur so kann Wohlfühlatmosphäre entstehen.
Die Kunden erwähnen sehr oft positiv, dass das Studio mehr wie ein Wohnzimmer anmutet als ein Fotostudio und die Atmosphäre warm und heimelig ist – fast wie bei einem Besuch bei Freunden.
Die Kundin wird gleich zu Beginn von der Visagistin gestylt und das hat insbesondere den Vorteil, dass sie auch einmal durchatmen kann und sich wieder weiblich fühlt, bevor das Shooting startet. Kleiderservice nimmt den Kunden den Druck, selbst ein passendes Outfit finden bzw. mitbringen zu müssen und hat den Vorteil, dass durch perfekt aufeinander abgestimmte Kleidung eine gewisse Ästhetik garantiert werden kann.
Marion Skodler: Mit Ruhe, Geduld und Herz durch jedes Shooting

Welche besonderen Herausforderungen bringt das Fotografieren von Neugeborenen mit sich – und wie gehen Sie damit um?
Jedes Baby ist individuell, ebenso jede Mutter, jeder Vater und jedes Geschwisterkind. Daher ist jedes Shooting spannend und die Dynamik immer völlig anders.
Für mich ist das eine kleine Herausforderung, dass Alle sich zu jedem Zeitpunkt wohlfühlen. Ich muss den Eltern den Druck nehmen, dass hier im Studio alles sein darf und nichts sein muss. Dass es völlig ok ist, wenn ein Neugeborenes beim Shooting weint und ein 2-Jähriger nicht still sitzen kann.
Gleichzeitig muss ich das Geschwisterkind bei Laune halten und darauf achten, dass die Bedürfnisse des Neugeborenen immer gewahrt werden. Bei manchen Shootings ist das ganz einfach und bei anderen Shootings eine ganz schöne Herausforderung.
Gibt es ein Shooting oder einen Moment, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist, und woran haben Sie dann gesehen, dass Ihr Gegenüber wirklich berührt oder bewegt war?
Es gibt tatsächlich ganz, ganz viele solche Momente. Fast bei jedem Neugeborenen-Shooting. Erst gestern hatte ich ein Neugeborenen-Shooting mit einem kleinen Jungen und während sich die Mama umgezogen hat, hatte der Papa den Kleinen am Arm und ich habe der Mama geholfen. Das Baby hat zu weinen begonnen und sich nicht beruhigen lassen.
Also habe ich dem Papa vorgeschlagen, das Baby zu übernehmen und zu beruhigen. Und ich muss sagen, es war wirklich magisch. Ich habe ihn mit festem, sicherem Griff gehalten, mit ihm geredet und nach 10 Sekunden hat das Baby nicht mehr geweint und nach weiteren 2-3 Minuten hat es fest geschlafen.
Der Vater war so fasziniert davon und absolut erstaunt darüber, was da gerade passiert ist. Ich erkläre in solchen Situationen immer, dass die Babys meine Erfahrung, meine Gelassenheit und meine innere Ruhe spüren und sich deshalb so gut beruhigen.
Sehr bewegend war für mich ein Neugeborenen-Shooting, das aufgrund von Komplikationen bei der Geburt erst etwas später stattfinden konnte. Konkret hing das Leben der Mutter kurz nach der Geburt am seidenen Faden. Beim Shooting flossen dann ganz viele Tränen, weil ihnen wohl in diesem Moment so deutlich bewusst war, wie glücklich sie sich schätzen können als gesunde, kleine Familie.
Ich kann dann die Tränen auch selten zurückhalten – und diese Momente bleiben für immer ein Teil von mir.
Was bedeutet Ihnen Ihre Arbeit persönlich – was erfüllt Sie daran am meisten?
Ich liebe die Fotografie – das Festhalten einzigartiger Momente.
Die Vorstellung, dass die Bilder auch noch nach Jahren und Jahrzehnten Freude bereiten, macht mich sehr glücklich.
Ich liebe aber auch den Umgang mit den Babys. Mit ihnen zu arbeiten und ihre Persönlichkeit herauszuarbeiten, macht mir ganz viel Spaß. Ich habe mich ganz bewusst für ein natürliches Posing entschieden, weil ich finde, dass jedes Baby wundervoll und wunderschön ist und es keine Verkleidungen oder abstrakte Posen braucht, um schöne Erinnerungen entstehen zu lassen.
Ich liebe es, mit den Eltern zu Plaudern, ihnen durch meine Erfahrung mit den anfänglichen Herausforderungen zu helfen. Sie zu bestärken, dass Alles gut wird und sie das wunderbar machen.
Und letztendlich liebe ich es, wenn die Eltern ihre Bildauswahl getroffen haben und überglücklich das Studio verlassen – mit der Gewissheit einen großartigen Schatz mitzunehmen, der sie ihr restliches Leben begleiten wird.
Daher ist es mir so wichtig, den Eltern hochwertige Fotoprodukte mitzugeben. Denn wir haben alle so viele Fotos auf dem Handy oder dem Computer. Ein exquisites Fotoalbum, in dem Jahre lang geblättert werden kann und das von Generation zu Generation weitergegeben wird, ist unheimlich wertvoll. Zu wissen, dass meine Arbeit so viel Freude bereitet, ist wohl das Schönste an meinem Beruf.


