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Bernhard Pfeiffer: Zwischen Berührung und Bewusstsein – ganzheitliche Praxis mit Herz und Verstand

Bernhard Pfeiffer fand seinen Weg zur Körper- und Energiearbeit nicht über eine klare Karriereplanung, sondern über eine mutige Neuorientierung. Nach vielen Jahren in der kreativen Werbebranche entschied er sich, seiner eigentlichen Leidenschaft zu folgen: Menschen ganzheitlich zu begleiten – körperlich, mental und emotional. In seiner Praxis verbindet er klassische Heilmassage mit Methoden wie Hypnomassage, Klangarbeit und Babymassage – immer mit einem feinen Gespür für das, was der Mensch wirklich braucht.

Im Interview spricht er über Wendepunkte in seinem Leben, die Kraft achtsamer Berührung und berührende Rückmeldungen, die ihn in seiner Arbeit täglich bestärken.

Interview mit Bernhard Pfeiffer

Bernhard Pfeiffer Interview

Was hat Sie dazu bewogen, sich mit Ihrer eigenen Praxis selbstständig zu machen – gab es dafür einen besonderen Auslöser oder eine klare Vision?

Ich bin kein Mensch, der schon mit 18 wusste, was er beruflich einmal machen will. Mein Weg zur eigenen Praxis war eher ein langsamer Prozess – getragen von Neugier, Lebenserfahrung und der ehrlichen Suche nach Sinn. Nach meiner HTL-Matura habe ich rasch gemerkt, dass Informatik nicht mein Ding ist. Stattdessen führte mich das Leben in die Filmbranche, genauer gesagt in die Werbung – ein spannendes, kreatives Feld, das mich 14 Jahre lang begleitet hat. Aber irgendwann wurde das Gefühl lauter, dass ich in dieser Welt nicht das tue, was mir wirklich wichtig ist.

Eine Begegnung mit einer buddhistischen Nonne war für mich der Wendepunkt. Ihr Satz – “Warum täuscht du Menschen mit Werbung, wenn du ihnen auch helfen könntest?” – hat mich tief berührt. Von da an war klar: Ich will etwas machen, das Menschen gut tut.

Mein Interesse an Körperarbeit, Hypnose und mentaler Arbeit wuchs, und irgendwann wurde aus der Idee einer eigenen Praxis eine Vision, die ich nicht mehr loslassen konnte. Ich habe mich ausbilden lassen, weitergebildet, gelernt, geübt – bis ich den Mut hatte, die Filmbranche hinter mir zu lassen.

Heute lebe ich in meiner Praxis genau das, was mir am Herzen liegt: Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, sie körperlich und mental zu stärken und ihnen Werkzeuge mitzugeben, die im Alltag spürbar wirken.

Es ist kein Beruf – es ist meine Berufung.

Und genau das spüren meine Kundinnen und Kunden auch. Zumindest bekomme ich das immer wieder als ehrliches, berührendes Feedback – dass meine Arbeit nicht nur professionell ist, sondern auch von echter Hingabe getragen wird. Und genau das macht für mich den Unterschied.

Sie bieten ein breites Spektrum – von Heilmassage über Hypnomassage bis hin zur Klangschalenmassage. Wie wählen Sie die passende Methode für eine Person aus?

Das hängt ganz stark vom Anliegen der Person ab. Wenn jemand mit einer ärztlichen Verordnung zu mir kommt, ist klar: Dann steht die Heilmassage im Vordergrund, ganz gezielt und medizinisch fundiert. Viele andere kommen aber schon mit einer recht konkreten Vorstellung – etwa, dass sie sich einfach etwas Gutes tun wollen oder explizit eine Klangschalenmassage oder Hypnomassage ausprobieren möchten.

Ich halte nichts davon, jemandem ungefragt eine Methode ‚überzustülpen‘. Wer zur Entspannungsmassage kommt, bekommt genau das – ich hole niemanden plötzlich mit Hypnose ab oder überrasche mit Klangschalen. Aber viele Menschen sind neugierig und fragen mich: ‚Was ist eigentlich eine Hypnomassage?‘ oder ‚Was bringt mir das mit den Klangschalen?‘ Dann erkläre ich das gerne – und manche entscheiden sich später, genau das einmal zu erleben.

Gleichzeitig höre ich beim ersten Gespräch und in der Befundung genau hin. Manchmal zeigt sich, dass die Verspannungen auf der Massageliege weniger aus körperlicher Überbelastung resultieren, sondern aus mentalem Stress. Dann spreche ich das offen an – ohne Druck, aber ehrlich. Ich sage dann zum Beispiel: ‚Ich glaube, eine Entspannungshypnose könnte dir guttun – wenn du Lust hast, probieren wir das beim nächsten Mal.‘

Für besondere Fälle habe ich auch eigene Methoden entwickelt, die gezielt verschiedene Techniken kombinieren – aber immer nur dann, wenn es zur Person und zur Situation passt. Für mich steht im Mittelpunkt, was jemand wirklich braucht – körperlich, geistig und emotional.

Viele Menschen leiden heute unter Stress, Burn-out oder Angstgefühlen. Wie kann eine Massagebehandlung oder Hypnomassage konkret helfen, diese Beschwerden zu lindern?

Ich habe das Gefühl (und sehe es täglich in meiner Praxis), dass ein sehr großer Teil meiner Klient:innen mit klassischen Stress-Symptomen auf der Massageliege landet. Schulter- und Nackenbeschwerden, innere Unruhe, Schlafprobleme, Tinnitus: Vieles davon hat seinen Ursprung nicht im Bewegungsapparat, sondern im Dauerstress unserer Zeit.

Was viele nicht wissen: Stress führt im Körper zu einer erhöhten Ausschüttung von Hormonen wie Adrenalin und Cortisol – das versetzt den Organismus in ständige Alarmbereitschaft.

Gleichzeitig verspannen sich Muskeln, vor allem im Nacken- und Schulterbereich.

Genau hier setzt Massage an – und das nicht nur muskulär. Studien zeigen, dass gezielte Berührungsreize Stresshormone im Blutkreislauf nachweislich senken können, während gleichzeitig sogenannte Glücks- und Wohlfühlhormone wie Serotonin und Oxytocin ansteigen. Massage wirkt also ganzheitlich – sie beruhigt das Nervensystem, fördert das emotionale Gleichgewicht und kann sogar angstreduzierend oder stimmungsaufhellend wirken.

Ich arbeite unter anderem mit der Technik des Affective Touch – einer besonders achtsamen Form der Berührung, die genau diese hormonellen Reaktionen gezielt stimuliert und zur Linderung von Stress- und sogar Depressionssymptomen beitragen kann.

Bei der Hypnomassage gehen wir noch einen Schritt weiter: Diese Methode verbindet Massagegriffe mit hypnotischen Sprachmustern. Körper und Geist werden gleichzeitig in einen tiefen Entspannungszustand geführt. Die Berührung wird dabei in die Hypnoserhetorik eingebettet, man spricht hier von Utilisation. Dadurch entsteht ein besonders intensiver Effekt: Die Massage vertieft die Trance, die Hypnose verstärkt die Wirkung der Berührung. Für viele meiner Klient:innen ist das eine völlig neue, überraschend wirksame Erfahrung – besonders bei stressbedingten Beschwerden.

Wer Hypnose zu Entspannungszwecken lieber ohne Massage genießen möchte, wird bei meiner Entspannungshypnose oder der Selbstheilungstrance glücklich. Dort finden auch Blockadenlösung und Befreiung von emotionalem Stress sowie negativen Glaubenssätzen statt. Einige meiner Kund:innen, die mit 60- bis 70-Stunden-Wochen stark ausgelastet sind, gönnen sich regelmäßig eine Stunde Entspannungshypnose, um körperlich und mental komplett abzuschalten und wieder Kraft zu tanken.

Bernhard Pfeiffer: Warum ganzheitliche Behandlung mehr als Massage ist

Bernhard Pfeiffer Energiearbeit

Was fasziniert Sie persönlich an der Kombination aus klassischer Massage, energetischen Ansätzen und Entspannungsverfahren wie Hypnose oder Klangarbeit?

In erster Linie bin ich Heilmasseur und das macht den Großteil meiner täglichen Arbeit aus.

Ich arbeite körperorientiert, medizinisch fundiert und evidenzbasiert: bei muskulären Beschwerden, orthopädischen Problematiken oder zur Rehabilitation nach Operationen.

Darüber hinaus habe ich mein Repertoire in den letzten Jahren um wirkungsvolle Entspannungsverfahren erweitert – etwa Hypnose, Klangimpulse oder spezielle Berührungstechniken wie Affective Touch. Diese Angebote sind nicht Teil der Heilmassagetherapie und kommen auch nicht im Rahmen ärztlich verordneter Behandlungen zur Anwendung. Sie werden ausschließlich komplementär oder im Anschluss an eine reguläre Behandlung, oder ganz separat, gebucht, wenn es dem Wunsch und den Bedürfnissen meiner Klient:innen entspricht.

Für mich ist die Verbindung von Körper und Geist kein bloßes Schlagwort, sondern gelebte Wirklichkeit. Der Körper kann sich ohne den Geist nicht wirklich entspannen, und umgekehrt ist der Geist selten wirklich ruhig, wenn der Körper verspannt oder belastet ist. Diese untrennbare Wechselwirkung ist für mich eine der wichtigsten Dualitäten im Leben und eine, die ich in meiner Arbeit immer wieder erlebe und nutze.

Es fasziniert mich, wie sehr sich körperliche und mentale Prozesse gegenseitig beeinflussen und wie wir mit gezielten Methoden beide Ebenen gleichzeitig erreichen können.

Bei den Entspannungstechniken und in der Hypnose habe ich als Coach immer ein großes Augenmerk auf körperliche Signale. Wenn die Augen zum Beispiel anfangen zu flattern – ähnlich wie in der REM-Schlafphase, dann weiß ich, dass der Körper sich schon in einer tiefen Entspannung befindet. Auch das Nachlassen von Muskelspannung oder eine gezielte Armkatalepsie sind Zeichen, die ich nutze, um dem Klienten sichtbar zu machen: ‚Du bist jetzt in einem Trancezustand.‘

Diese Beobachtungen sind für mich nicht nur Indikatoren, sondern auch wertvolle Werkzeuge, um den Prozess bewusst zu begleiten und zu vertiefen. Für meine Klient:innen entsteht so ein spürbarer Raum, in dem sie loslassen können- körperlich, mental und emotional.

Ich arbeite mit Methoden, die zwar auf manche Menschen vielleicht energetisch wirkend erscheinen, aber auf nachvollziehbaren, wissenschaftlich erklärbaren Prinzipien beruhen – zum Beispiel in der Hypnose, der Klangarbeit oder bestimmten Berührungsqualitäten. Ich lege großen Wert darauf, mich klar von esoterischen oder nicht fundierten Ansätzen abzugrenzen.

Auch bei Anwendungen wie der Klangschalenmassage bin ich transparent: Sie ersetzt keine medizinische Therapie, heilt keine Krankheiten und löst keine Blockaden „durchs Universum“. Aber sie kann den Körper in eine tiefe Schwingung versetzen, das Nervensystem beruhigen und so helfen, loszulassen. Ich verspreche dabei nichts, ich ermögliche Raum für Erfahrung.

Ich sehe es als meine Aufgabe, den Menschen in seiner Ganzheit zu betrachten. Nicht jeder möchte oder braucht mehr als eine klassische Heilmassage aber für manche ist eine zusätzliche Form der Entspannung oder mentalen Regeneration genau das, was den entscheidenden Unterschied macht.

Das Zusammenspiel von klassischer Massage, fundierten Entspannungstechniken und mentaler Arbeit schafft für mich eine einzigartige Möglichkeit, Menschen ganzheitlich zu unterstützen. Es geht nicht nur um kurzfristige Entspannung, sondern um nachhaltige Veränderung auf mehreren Ebenen und das macht meine Arbeit für mich jeden Tag aufs Neue erfüllend.

Sie bieten auch Babymassagekurse an. Was ist Ihnen bei der Arbeit mit Eltern und Babys besonders wichtig und welche Rückmeldungen bewegen Sie dabei am meisten?

In meinen Kursen steht ganz klar das Bonding – also die liebevolle Bindung zwischen Eltern und Kind – im Vordergrund. Die Babymassage ist für mich viel mehr als nur ein Griffschema oder eine entspannende Technik. Sie ist eine Sprache der Berührung, durch die Eltern mit ihrem Baby in echten Kontakt treten können.

Ich vermittle nicht nur Massagegriffe, sondern schaffe einen Raum, in dem auch Fragen zum Alltag, zu häufigen Beschwerden oder Unsicherheiten Platz haben, von Blähungen über Schlafprobleme bis hin zu ersten kleinen Krankheiten. Auch Erste-Hilfe-Themen fließen mit ein, genauso wie der bewusste Einsatz der Babymassage als Einschlafritual.

Besonders am Herzen liegt mir, auch die Väter zu erreichen.

Gerade frischgebackene Papas fühlen sich oft etwas außen vor – sei es durch gesellschaftliche Rollenbilder oder weil sie schlicht nicht stillen können. Die Babymassage bietet hier eine wunderbare Möglichkeit, aktiv ins Geschehen einzusteigen. Väter wirken oft auf eine ganz eigene, beruhigende Weise und sie merken beim Massieren sofort, wie ihr Baby positiv darauf reagiert.

Seit ich selbst Vater geworden bin, hat das Thema für mich noch einmal eine ganz neue Tiefe bekommen. Ich weiß jetzt auch aus eigener Erfahrung, wie fordernd die ersten Monate sein können – körperlich wie emotional. Diese Alltagsrealität nehme ich in meinen Kursen auf. Viele Eltern danken mir dafür, dass ich nicht nur Techniken vermittle, sondern wirklich verstehe, was sie beschäftigt.

Eine Rückmeldung, die mich besonders berührt hat, kam von einer jungen Mutter, die sagte: “Ich hatte anfangs das Gefühl, ich mache alles falsch, aber nach dem Kurs hatte ich endlich das Vertrauen, dass ich auf mein Gefühl hören darf.” Genau darum geht es mir: Eltern zu stärken.

Gleichzeitig fördert Babymassage auch die kindliche Entwicklung. Durch die bewusste, liebevolle Berührung lernt das Baby sich selbst besser kennen, es spürt: Hier beginne ich, hier höre ich auf. Dieses Körperbewusstsein legt den Grundstein für ein gesundes Selbstwertgefühl.

Viele meiner Kursteilnehmer:innen kenne ich übrigens schon aus der Schwangerschaftsmassage. Umso schöner ist es, die Familien dann auf ihrem Weg weiter begleiten zu dürfen: mit Wissen, Empathie und dem sicheren Gefühl: „Du kannst deinem Kind etwas Gutes tun – mit deinen eigenen Händen.“

Gibt es ein besonderes Erlebnis oder Feedback aus Ihrer Praxis, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist – und warum?

Es gibt viele schöne Rückmeldungen, die mich immer wieder tief berühren, manchmal sind es gerade die stillen, kleinen Momente, die einem zeigen, dass man auf dem richtigen Weg ist.

Eine Klientin kommt mir da in den Sinn: Mitte 40, beruflich stark eingespannt, alleinerziehend, mit Schlafproblemen und ständigem Gedankenkarussell. Sie meinte bei der ersten Behandlung: ‚Ich funktioniere nur noch, aber ich lebe nicht mehr richtig.‘

Wir arbeiteten mit Entspannungsmassage, Hypnomassage und einer geführten Trance zur Stressregulation. Bereits nach wenigen Sitzungen merkte sie selbst: Ihre Atmung wurde ruhiger, ihre Gedanken klarer, sie begann wieder durchzuschlafen. Der Satz, der mir besonders geblieben ist: „Ich habe mich zum ersten Mal seit Jahren wieder als Mensch gespürt – nicht nur als Mutter, nicht nur als Kollegin, sondern einfach als ich.“

Diese Worte haben mich sehr bewegt.

Ein zweiter Fall war ein älterer Herr mit chronischen Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule und massiven Bewegungseinschränkungen. Er liebte das Spazierengehen mit seinem Hund, konnte aber seit Jahren keine 200 Meter mehr gehen, ohne abbrechen zu müssen.

Nach gezielten medizinischen Massagen, kombiniert mit mobilisierenden Griffen und begleitender Trainingsberatung, konnte er seine Beweglichkeit Stück für Stück zurückgewinnen. Einige Wochen später kam er mit Tränen in den Augen und sagte: „Ich bin heute vier Kilometer gegangen, ohne Schmerz! Hätte ich gewusst, dass das möglich ist, wäre ich schon vor 20 Jahren zu Ihnen gekommen.“

Solche Momente sind für mich keine „Wunder“, sondern das Ergebnis von ganzheitlicher, individueller Arbeit und echter Verbindung. Ich sehe mich nicht als Heiler, sondern als jemand, der mit Wissen, Empathie und Präzision Räume schafft, in denen Heilung möglich wird.

Dass mir Menschen nach einer Behandlung sagen: „Bei dir konnte ich zum ersten Mal wieder loslassen“ oder „Du hast mein Leben spürbar verändert“ – das ist nicht nur ein großes Kompliment, sondern auch eine enorme Verantwortung. Und genau das ist es, was mich jeden Tag aufs Neue motiviert.

Und wenn jemand mit einem Lächeln geht, das vorher nicht da war, dann weiß ich: Genau dafür mache ich das alles!

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