Gesundheit beginnt früh – davon ist Mag. Ingeborg Hanreich seit Jahrzehnten überzeugt. Mit dem Hanreich Verlag hat sie einen Ort geschaffen, an dem wissenschaftlich fundiertes Wissen, praktische Alltagstauglichkeit und ein tiefer Respekt für Familien zusammenfinden.
Ihre Bücher begleiten Eltern von der Schwangerschaft bis ins Kleinkindalter und geben Orientierung in sensiblen Lebensphasen. Im Interview spricht sie über ihren Weg zur Verlagsgründung, ihre Haltung zu Ernährung und Bildung sowie darüber, warum gut aufbereitete Informationen echte Veränderung bewirken können.
Mag. Ingeborg Hanreich im Interview

Was hat Sie dazu inspiriert, den Hanreich Verlag zu gründen, und welche Haltung zu Wissen, Gesundheit und Familie prägt Ihre Arbeit bis heute?
Als ich 3 Jahre nach dem Studium die Gesellschaft für zeitgemäße Ernährung verließ, habe ich mich gefragt, welchen Sinn ich meinem Leben geben möchte.
Ich wollte etwas machen, das nachhaltigen Einfluss auf die Gesundheit der Menschen hat.
So bin ich beim Thema Babyernährung und Familienkost gelandet, weil die Zielgruppe die zukunftsträchtigste ist, und habe Vorträge zu den Themen u.a. mit den Apothekerkammern gehalten.
Schnell kam die Frage nach schriftlichen, genauen Unterlagen und ich versuchte mit dem Gesundheitsministerium eine Beikostbroschüre ins Leben zu rufen. Der zuständige Arzt dort meinte jedoch abwertend wörtlich „Mütter lesen sowas nicht!“
Meine Antwort blieb mir fast im Hals stecken, aber ich kanalisierte meine Wut, schrieb ein Handbuch über Säuglingsernährung und gründete einen Verlag, der – von Null weg startend – 2011 bereits sein 100.000stes Buch verkauft hatte.
Ihr Verlag vereint Ratgeber, Kinderbücher und besondere literarische Formate. Nach welchen Kriterien wählen Sie Themen und Autor:innen aus?
Ich schrieb Ratgeber und Lyrik anfangs im Eigenverlag und gründete 2009 einen gewerblichen Verlag um 2 Kinderbücher anderer Autorinnen (über Glück und Zusammenhalt) zu publizieren. Mittlerweile mache ich wieder nur mehr eigene (Kinder-)Bücher.
Die Themen und Genre-Auswahl orientieren sich also mittlerweile wieder nur mehr an meinen persönlichen Interessen und dem Gefühl dafür, was Familien brauchen.
Wie unterstützen Ihre Publikationen Eltern und Familien dabei, informierte und selbstbestimmte Entscheidungen im Alltag zu treffen?
Meine Ratgeber und Rezeptbücher sind wissenschaftlich fundiert, was mir nach dem Studium der Ernährungswissenschaft wichtig ist, aber auch mit Erfahrungswerten von 32 Jahren versehen und bewusst praxisnah aufbereitet.
Ich versuche Eltern durch meine Bücher und E-Books auch die Wahlmöglichkeit zwischen Methoden und Kostformen zu vermitteln, aber Richtwerte für Entscheidungen mit auf den Weg zu geben.
Neben Büchern bieten Sie auch Online-Angebote an. Welche Rolle spielen diese digitalen Formate in Ihrer Arbeit und wie ergänzen sie das Verlagsprogramm?
Ein dreiteiliges Online-Programm über Beikost ergänzt die Ratgeber zur Babyernährung. Viele Mütter schätzen es, zu ihrem möglichen Zeitpunkt und zuhause diese für sie wichtigen Informationen über den Beikoststart (Zeitpunkt & Methoden), die 7 Schritte der Beikost (Auswahl & Aufbau) und den Umstieg zur Familienkost (inkl. Ernährung nach dem 1. Lebensjahr) zu erhalten.
Manche wünschen sich allerdings zusätzlich die Ratgeber als Nachschlagwerke oder Rezeptquellen.
Mag. Ingeborg Hanreich: Sensible Ernährungsthemen verständlich, sicher und praxisnah vermitteln

Was ist Ihnen bei der Vermittlung sensibler Themen wie Schwangerschaft, Stillzeit oder früher Kindheit besonders wichtig?
Es ist mir besonders wichtig, durch „Essen und Trinken in der Schwangerschaft“ eine optimale Ernährungszusammenstellung für die Schwangere und ihr Kind – und Alternativen zur kritischen Lebensmittelauswahl aufzuzeigen.
Z.B. sind viele rohe tierische Produkte, aber auch vorgeschnittene Salat mit Keimen belastet, die das Kind schädigen können.
Oft hilft es, eine andere Wahl aus der Tabelle zu treffen oder die Lebensmittel in der Küche durch nochmaliges, gründliches Waschen oder Erhitzen zuträglich zu machen.
Auch das Thema Supplemente ist wichtig, damit es durch mehrfache Einnahme nicht zur Überversorgung an z.B. Vitamin A kommt und der Fötus geschädigt werden kann.
Bei der Broschüre „Essen und Trinken in der Stillzeit“ liegt es mir besonders am Herzen, auch für die Mütter selbst, die in der – vor allem anfangs – sehr herausfordernden Zeit wenig an sich selber denken, Hilfestellung bei der eigenen Versorgung (z.B. Energiekugeln zeitgleich mit dem Stillen) und bei auftretenden Schwierigkeiten (Baby Blues, Milchbildung, Kräftemangel) zu geben.
Der Ratgeber „Essen und Trinken im Säuglingsalter“ wird durch das Rezeptbuch für Beikost und Umstieg auf Familienkost „Rezepte und Tipps für Babys Beikost“ ergänzt.
Hier finden Eltern ein ABC des Stillens (z.B. Wichtiges zu Abstillen, Milchstau, Zufüttern) genauso wie Tipps zur Auswahl und Verabreichung von Fläschchennahrung (samt Spezialnahrungen) und wichtige Informationen zu Beikost-Vorbereitung und Durchführung samt einem Kapitel über einzelne Beikostlebensmittel.
Für den Familientisch gibt es in „Essen und Trinken im Kleinkindalter“ einen guten Überblick, was (Vorschul-) Kinder brauchen und es werden Fragen aus der Praxis beantwortet, die uns an einer Hotline häufig gestellt wurden.
Ergänzt wird das Thema durch alltagstaugliche Gerichte aus „Pfiffige Rezepte für kleine und große Leute“ und durch Kaltspeisen für Kindergartenjausen, Schule und Büro in „Coole Rezepte für zwischendurch“.
Gibt es eine Rückmeldung oder ein Erlebnis aus Ihrer Arbeit, das Ihnen besonders gezeigt hat, wie nachhaltig Ihre Bücher oder Angebote wirken?
In den mehr als 30 Jahren meiner Tätigkeit hat mich besonders gefreut, dass mittlerweile – auch auf Grund der Nachfrage von Eltern – der süße rosa Himbeersaft im Kindergarten fast überall durch Wasserkrüge ersetzt wurde.
Was jetzt selbstverständlich wirkt und breite Flächenwirkung hat, ist jahrelangem Einfluss von mir und meinen Kolleginnen zu verdanken.
Nicht nur die Ernährungsratgeber verändern und haben Einfluss. Auch meine Kinderbücher, die schwierigere Themen wie Mobbing, Tod und andere Ernährungsweisen aufgreifen, beeinflussen die Menschen.
Bei einer Kinderbuchlesung von „Die Geschichte vom himmelblauen Löwen mit dem großen Herzen“ rührten zwei Brüder mein Herz, die im Anschluss an das Buch über Mobbing und Ausgrenzung meinten, „Ja, im Kindergarten passiert uns das auch!“.
Gerade auch „Die Geschichte vom himmelblauen Löwen im Seelensee“ berührt klein und groß nach Tod und Verlust. So hat mir eine ältere Dame, die ihren Sohn verloren hatte, unter Tränen gestanden, dass sie das Buch bereits zum 8. Mal liest, weil es ihr so viel Trost bringt.
Über Mag. Ingeborg Hanreich:
Die studierte Ernährungswissenschafterin und ausgebildete Stillberaterin widmete ihr Leben über 30 Jahre dem Thema Ernährung von Mutter und Kind. Sie unterrichtete die Hebammen in Wien mehr als 20 Jahre in Ernährungslehre und Diätetik. Ein besonderes Herzensanliegen sind ihr auch die 6 heiteren Lyrikbände und die von Brigitta Knoll luftig leicht illustrierten, tiefgründigen und spirituellen Kinderbücher.


