Christine Feik hat sich ganz der Kraft der Düfte verschrieben – eine Leidenschaft, die in ihrer Kindheit auf einem oststeirischen Bauernhof wurzelt. Schon früh lernte sie von ihrer Großmutter, wie man mit Kräutern kleine und größere Wehwehchen auf natürliche Weise lindert. Auch später, im Trubel Wiens und in der Bankenwelt, blieb ihr feines Gespür für Pflanzen und Düfte präsent – bis ein Buch über Teebaumöl den entscheidenden Wendepunkt brachte.
Heute ist sie ärztlich geprüfte Aromapraktikerin mit eigenem Studio und begleitet Menschen mit Fachwissen, Intuition und Herz. Im Interview spricht sie über ihre Anfänge, ihre Philosophie – und warum Düfte oft mehr sagen als Worte.
Interview mit Christine Feik

Was hat Sie persönlich dazu bewegt, mit ätherischen Ölen zu arbeiten – gab es einen prägenden Moment?
Die Natur war mein erster Spielplatz – und gleichzeitig mein erstes „Medizinkastl“. Ich bin auf einem Bauernhof im oststeirischen Hügelland groß geworden, umgeben von Wiesen, Wäldern und Kräutern. Gegen jedes Wehwehchen hatte meine Oma das passende „Kräutl“ parat – und es war selbstverständlich, dass man sich mit dem, was rundherum wächst, helfen kann. So haben sich meine Sinne schon früh für die Schätze der Natur geschärft.
Als es mich dann nach Wien zog, wo ich mit viel Herzblut im Personalbereich einer großen Bank arbeitete, hab ich zwar die Natur gegen den Großstadttrubel getauscht, aber meine kleine Natur-Apotheke war immer dabei. Ob Schnupfen, Bauchweh, Stress oder Kopfweh –eine Kräutermischung war zur Hand. Das sprach sich schnell bei meinen Kolleg:innen herum, und so gab´s quasi die duftende Sprechstunde in der Kaffeeküche 😉
Dann kam der Moment, der alles verändert hat: meine liebe Nachbarin schenkte mir ein Buch über Teebaumöl. Ich war baff, was dieses EINE Öl scheinbar alles kann! Es öffnete sich die Tür zu einer neuen Welt. Ich verschlang Aromatherapie-Fachbücher und lernte sehr viel mehr Öle kennen, machte meine Kosmetik selbst, mixte Öle gegen Alles und Jedes.
Die klassischen (chemischen) Parfums flogen raus, und ich begann, meine eigenen Naturparfums zu kreiern. Und natürlich mussten auch meine drei Burschen bei meinen anfänglichen Duftversuchen herhalten. Sie haben alles bestens überstanden und sind heute Aromaprofis, blieb ihnen ja auch nicht viel anderes übrig, wo sie die Düfte quasi mit der Muttermilch verabreicht bekamen 😉 Unser Kinderarzt war oft verblüfft, wie viele Antibiotika wir dank der ätherischen Öle umgehen konnten.
Meine besondere Faszination an ätherischen Ölen war und ist, dass sie nicht nur wunderbar duften (ich war immer schon ein Duftfreak!), sondern auch auf Körper, Geist und Seele starke Wirkungen haben und so war es die logische Konsequenz, mein Hobby auf professionelle Beine zu stellen, adé zur Bank zu sagen und mein Aromastudio zu eröffnen ☺
Welche Rolle spielen Intuition und inneres Gespür in Ihrer Arbeit mit ätherischen Ölen – und wie erkennen Sie, welches Öl gerade passt?
Intuition spielt eine Rolle – aber die Basis meiner Arbeit ist ganz klar mein fachliches Handwerkszeug als ärztlich geprüfte Aromapraktikerin.
Mein Wissen über die biochemischen Inhaltsstoffe der Öle und ihre Wirkweisen ist das Fundament, so wähle ich gezielt Öle aus, die für bestimmte Anliegen in Frage kommen.
Aber: In der Aromatherapie führen – wie so oft im Leben – viele Wege nach Rom. Für ein und dasselbe Thema können mehrere Öle hilfreich sein. Und genau da kommt das Gespür ins Spiel. Im Gespräch mit meinen Klient:innen höre ich nicht nur auf das, was sie sagen, sondern auch auf das, was zwischen den Zeilen mitschwingt: Was bewegt sie? Welche Düfte berühren sie emotional? Welche Erinnerungen, Bilder oder Gefühle werden beim Riechen wach?
Manchmal sind es diese ganz feinen Reaktionen – ein verträumter Blick, eine spontane Erinnerung an Menschen, Situationen oder ein tiefer Seufzer – die zeigen: wir sind auf der richtigen Duftspur!
Der schönste Moment: Wenn am Ende der Aromaberatung plötzlich die Augen aufleuchten und das Lächeln nicht mehr enden will. Dann weiß ich: Das passt!
Mein Leitgedanke: Die Nase ist die oberste Instanz. Ein Öl kann fachlich noch so angezeigt sein – wenn es für eine Person nicht gut riecht, wird sie es auch nicht gern verwenden. Und was nicht verwendet wird, kann auch nicht wirken.
Besonders wirksam ist ein Duft dann, wenn er auch das Herz erreicht – und die Nase begeistert.
Abseits der klassischen Duftlampe – welche Anwendungen liegen Ihnen besonders am Herzen?
Ich kann mir ja kaum einen Lebensbereich ohne Düfte vorstellen, bei mir duftet´s fast überall 😉 Bei meinen Klient:innen achte ich speziell darauf, dass die Anwendung in den Alltag passt. Denn was bringt das schönste Aromabad, wenn man nicht gerne badet?
Die gute Nachricht: Ätherische Öle lassen sich ganz unkompliziert und trotzdem unglaublich wirkungsvoll einsetzen. Es muss nicht immer das große Duft-Ritual sein – oft sind es die kleinen Dinge, die Großes bewirken.
Ein Klassiker ist z. B. der Inhalierstift – „Aromatherapie to go“, quasi. Oder ein Roll-on als persönliches Lieblingsparfum mit ganz spezieller Wirkung. Manche lieben es, mit einem Körperöl verwöhnt zu werden, Männer schätzen die beruhigenden und pflegenden Balsame nach der Rasur und spritzige Düfte im Auto. Schüler und Studenten profitieren von kleinen Duftinseln mit konzentrationsfördernden Düften.
Es gibt für jeden eine passende Möglichkeit.
Es geht nicht darum, möglichst viele Öle zu verwenden – sondern die richtigen, zur richtigen Zeit, auf die richtige Art.
Christine Feik: Wissen weitergeben, das wirkt – nicht nur im Duft

Ihre Arbeit wirkt sehr achtsam. Was ist Ihnen bei der Weitergabe Ihrer Erfahrungen besonders wichtig?
Mir ist sehr wichtig, Menschen zu einem selbstbewussten, eigenverantwortlichen und vor allem sicheren Umgang mit ätherischen Ölen zu begleiten. Deshalb lege ich in meinen Beratungen, Seminaren und Workshops großen Wert darauf, nicht nur ein schönes Dufterlebnis zu schaffen, sondern auch fundiertes, alltagstaugliches Wissen mitzugeben.
Ich halte nichts davon, mein Wissen wie ein Geheimrezept unter Verschluss zu halten – im Gegenteil: Ich teile gerne, was ich über Jahrzehnte gelernt, ausprobiert und verfeinert habe. Tipps zur sicheren Anwendung, Tricks aus der Praxis. Nicht nur Rezepte, sondern auch warum ein Öl wann und wie sinnvoll ist. Kurzum: alles, was den Umgang mit den Düften fruchtbringender und freudvoller macht.
Und wenn Fragen auftauchen? Bin ich da. Ich schätze den persönlichen Austausch sehr. Viele meiner Klient:innen sind mir sehr ans Herz gewachsen – einige sogar zu Freund:innen geworden. Düfte verbinden eben ☺
Wissen weiterzugeben, das stärkt und Sicherheit gibt, ist für mich das Fundament jeder achtsamen Begleitung.
Gibt es ein bestimmtes Öl, das Sie über die Jahre begleitet hat – ein „Herzensöl“, mit dem Sie etwas Besonderes verbinden?
Hmmm, gar nicht so leicht zu beantworten! Meine Duftvorlieben haben sich über die Jahre gewandelt. Manch einen Duft, den ich früher kaum riechen konnte, liebe ich heute. Ein Paradebeispiel dafür: Muskatellersalbei. Anfänglich ein wahres Gräuel für meine Nase, ist er inzwischen ein lieber Begleiter geworden. Er löst körperliche und seelische Spannungen, inspiriert, kitzelt die Kreativität wach und hilft Hemmschwellen zu überwinden.
Eine Duftliebe auf den ersten Blick (bzw. Riecher) hingegen war die Rosengeranie. Elegant, charmant, gut zur Haut. Sie verbindet Menschen, schafft eine entspannte, offene Gesprächsatmosphäre und ist ein echter Gute-Laune-Booster und exquisiter Wäscheduft.
Sogar bei meiner Hochzeit spielte sie als Herznote eine wichtige Rolle in unserem eigens kreierten Hochzeitsduft. Die Einladungen wurden liebevoll aromatisiert, die Location zart beduftet und als Gastgeschenk gab’s für jede Dame einen hübschen Fächer samt erfrischendem Fächer-Spray. Duftende Erinnerungen, die bleiben ☺
Was möchten Sie Menschen mitgeben, die zum ersten Mal mit ätherischen Ölen in Kontakt kommen?
Ätherische Öle sind natürlich, aber nicht harmlos. Ihre Kraft ist beeindruckend und genau deshalb braucht es auch Wissen und Achtsamkeit im Umgang damit! Gerade bei Babys, Kleinkindern, Schwangeren oder Menschen mit bestimmten Grunderkrankungen sollte man sehr genau hinschauen und im Zweifel lieber eine:n Expert:in fragen.
Ein wichtiger Grundsatz lautet: Weniger ist mehr. Ein Tropfen Öl ist hochkonzentriert, kostbar und will respektvoll eingesetzt werden. Um ein Gefühl zu bekommen: für 1 Liter Rosenöl braucht man bis zu 6.000 Kilo Rosenblütenblätter!
Noch ein wichtiger Aspekt zum Schluss: die Qualität. Nicht jedes Öl, das nach Lavendel riecht, ist auch echter Lavendel. Synthetische Öle haben mit echter Aromatherapie nichts zu tun – und können im schlimmsten Fall mehr schaden als nützen. Nur 100% naturreine Qualität wirkt so, wie sie soll.
Mein Tipp: Lieber weniger Öle – dafür hochwertige, naturreine.
Und wenn Unsicherheit besteht: Einfach eine Aromapraktikerin fragen. Dafür sind wir gerne da.
Über Christine Feik:
Christine Feik hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht, sie bringt mit feinem Gespür und fundiertem Wissen die passenden Düfte ins Leben der Menschen. In ihrem Aromastudio in Wien berät die ärztlich geprüfte Aromapraktikerin einfühlsam und professionell. Sie gibt ihr Aromatherapiewissen in Workshops, Vorträgen und Fachartikeln weiter und begleitet auch Unternehmen, Arztpraxen und Geschäfte dabei, die Kraft ätherischer Öle sinnvoll einzusetzen. Neben fundierter Beratung finden sich bei ihr auch ausgewählte, hochwertige ätherische Öle und pflegende Aromaprodukte.


