Man sieht ständig Werbung für eine neue App, einen Marktplatz oder ein Online-Casino und drei Monate später ist die Seite plötzlich weg. Warum passiert das so oft? Statistiken zeigen, dass über 90% aller Startups scheitern. Die ersten 90 Tage sind dabei die „Todeszone“. Wer diese Zeit übersteht, hat eine echte Chance.
In diesem Artikel schauen wir uns an, warum der Traum vom schnellen Online-Erfolg oft so kurz ist.
Die Mathematik des Scheiterns
Im Online-Geschäft gibt es zwei wichtige Abkürzungen:
- CAC (Customer Acquisition Cost): Wie viel Geld gebe ich für Werbung aus, um einen neuen Kunden zu gewinnen?
- LTV (Lifetime Value): Wie viel Geld gibt der Kunde insgesamt bei mir aus?
Die goldene Regel lautet: Ein Kunde sollte dreimal so viel einbringen, wie seine Gewinnung gekostet hat. Viele neue Anbieter machen einen fatalen Fehler: Sie zahlen zum Beispiel 100 Euro für Werbung pro Kunde, aber der Kunde gibt nur 50 Euro aus, bevor er wieder geht. So verbrennt man sein Geld schneller, als man zuschauen kann. Dies ist ein klassisches Szenario bei Online-Casinos, die auf hohe Willkommensboni setzen, um Spieler zu gewinnen, aber keine Strategie zur Nutzerbindung besitzen.
Das größte Problem: Niemand braucht das Produkt

Es klingt zwar logisch, wird aber oft übersehen: Ein Geschäft kann nur funktionieren, wenn es ein echtes Problem löst. Etwa 42% aller neuen Produkte scheitern, weil es dafür einfach keinen ausreichenden Bedarf gibt. Viele Gründer machen den Fehler, Lösungen für Probleme zu entwickeln, die entweder gar nicht existieren oder für die Zielgruppe nicht wirklich wichtig sind. Wenn der Markt vorher nicht richtig geprüft wird, entstehen Produkte, die technisch beeindruckend sind, aber am Ende niemand wirklich braucht, also “Technik um der Technik willen“.
Ein bekanntes Beispiel für gute Marktprüfung ist Dropbox. Die Gründer haben nicht sofort viel Geld in die Entwicklung gesteckt. Stattdessen erstellten sie zuerst ein einfaches Video, das zeigte, wie das Produkt funktionieren soll. Innerhalb kurzer Zeit wuchs die Warteliste von 5.000 auf 75.000 Interessenten. So konnten sie sicher sein, dass echtes Interesse besteht, bevor sie viel Zeit und Geld in die Programmierung investierten.
Die Überwindung des Kaltstarts
Digitale Marktplätze wie Uber, Airbnb oder Tinder haben es am Anfang besonders schwer. In den ersten Monaten müssen sie ein großes Problem lösen: den sogenannten Kaltstart.
Denn ohne Anbieter gibt es nichts für die Kunden und ohne Kunden haben Anbieter kein Interesse mitzumachen.
Das führt oft zu einem Teufelskreis: Nutzer kommen auf die Plattform, finden nichts Passendes und gehen sofort wieder. Dadurch wird die Plattform immer unattraktiver.
Plattformen, die diese Anfangsphase überstehen, setzen meist auf folgende Maßnahmen:
- Sehr kleiner Start statt großer Markt
Statt direkt weltweit zu starten, konzentrieren sie sich auf einen kleinen Bereich, in dem genug Nutzer zusammenkommen. Facebook begann nur an einer einzigen Universität (Harvard). Tinder startete auf einzelnen College-Partys, um dort schnell viele Nutzer auf einmal zu gewinnen.
- Angebot am Anfang selbst aufbauen
In der frühen Phase sorgen Plattformen oft selbst dafür, dass genug Angebot da ist.
Uber zahlte Fahrern anfangs garantierte Beträge, damit immer Autos verfügbar waren, auch wenn es noch wenige Fahrgäste gab.
- Nutzen auch ohne andere Nutzer
Das Produkt sollte schon alleine einen Mehrwert bieten.
Instagram war zum Beispiel schon attraktiv, bevor viele Nutzer da waren, weil man mit den Filtern schöne Fotos machen konnte, auch ohne soziales Netzwerk.
Reputationsverlust am Tag 1
Ein digitaler Dienst hat oft nur eine einzige Chance, einen ersten Eindruck zu hinterlassen. Wenn die App beim Start abstürzt oder die Registrierung aufgrund von Serverüberlastung scheitert, ist das Vertrauen der Nutzer permanent zerstört.
Auf Plattformen wie dem Apple App Store gibt es eine inoffizielle „Honeymoon Period“ von etwa 7 bis 30 Tagen, in der neue Apps eine höhere Sichtbarkeit in den Rankings genießen. Wenn eine App in diesem Zeitraum keine überzeugenden Interaktionsraten und Retention-Werte liefert, stuft der Algorithmus sie herab. Ohne ein massives Budget für App Store Optimization oder Search Ads verschwinden diese Apps nach spätestens 90 Tagen in der Bedeutungslosigkeit der unteren Suchergebnisse.
Regulatorische Barrieren

Ein Grund für das Verschwinden digitaler Angebote in den ersten 90 Tagen sind oft regulatorische Hürden, die das Geschäftsmodell von Beginn an finanziell oder operativ ersticken. Dies zeigt sich besonders im Online-Glücksspielmarkt:
- Hohe Kosten von Anfang an
Lizenzen, Prüfverfahren, Gutachten, technische Zertifizierungen und laufende Abgaben kosten viel Geld. Startups haben diese Mittel oft nicht, bevor überhaupt Umsatz entsteht. Es lohnt sich daher, in unabhängige Reviews neuer Online-Casinos einzutauchen, um zumindest die Marktchancen und Anforderungen besser einschätzen und unnötige Fehlinvestitionen vermeiden zu können.
- Lange Genehmigungsprozesse
Behördliche Zulassungen dauern Monate. In dieser Zeit darf das Produkt oft nicht oder nur eingeschränkt betrieben werden, das heißt, die Einnahmen bleiben aus, Fixkosten laufen weiter.
- Starke Einschränkungen des Geschäftsmodells
Werbevorgaben, Einsatzlimits, Spielpausen oder Kundensperren reduzieren Wachstum und Nutzerbindung. Das macht es schwer, schnell genug kritische Masse zu erreichen.
- Vorteil für große, etablierte Anbieter
Viele der heute etablierten Anbieter sind groß, weil sie vor der harten Regulierung gestartet sind. Kleine neue Anbieter werden dadurch früh aus dem Markt gedrängt, noch bevor sie sich beweisen können.
Fazit: Wie man die 90 Tage überlebt
Das Scheitern in den ersten drei Monaten ist selten Pech, sondern meist das Ergebnis einer strategischen Schieflage. Wer überleben will, muss drei Dinge beachten: Erstens: Fokus auf Bestandskunden statt nur auf Neukunden. Ein gutes Produkt hält Nutzer durch Qualität und echten Mehrwert, nicht durch teure Willkommensgeschenke. Zweitens: Schnell anpassen. Wer auf Feedback reagiert und sein Produkt verbessert, hat bessere Chancen als jemand, der stur am Plan festhält. Drittens: Realistisch planen. Lizenz- und Technikprozesse kosten Zeit und Geld. Nur wer genug Ressourcen hat, übersteht die Anfangsphase und kann sich langfristig gegen die Konkurrenz behaupten.


