Mag. Sabine Rautek spricht in diesem Interview über ihren persönlichen Weg von der Pädagogik zur craniosacralen Körperarbeit und darüber, was sie an dieser Methode bis heute fasziniert. Sie beschreibt, wie zarte Impulse eine tiefe Wirkung entfalten können und warum der Körper für sie ein verlässlicher Wegweiser ist.
Anhand ihrer Praxis, Workshops und Begegnungen mit Menschen wird deutlich, wie sehr Achtsamkeit, Beziehung und innere Resilienz ihre Arbeit prägen und wie kraftvoll ganzheitliche Begleitung wirken kann.
Interview mit Mag. Sabine Rautek

Wie sind Sie zur Craniosacralen Körperarbeit gekommen – und was hat Sie an dieser Methode besonders fasziniert?
Ich war viele Jahre als Lehrerin tätig und hatte immer wieder Probleme mit meiner Stimme. Im Rahmen einer logopädischen Behandlung habe ich craniosacrale Therapie bekommen.
Ich habe sehr gut darauf angesprochen und war von dem nachhaltigen Effekt beeindruckt. Im Gegensatz zu anderen logopädischen Behandlungen hat nach der Craniosacralen Behandlung die Verbesserung meines Gesundheitszustandes länger angehalten.
Kurz danach war ich auf der Suche nach einer Ergänzung oder Alternative zu meinem Beruf als Lehrerin. So habe ich ursprünglich aus reiner Neugierde ein Einstiegsseminar für craniosacrale Körperarbeit besucht und dann recht schnell entdeckt, dass das mein neuer Beruf werden soll.
An craniosacraler Körperarbeit hat mich von Anfang an fasziniert, wie zart und gleichzeitig kraftvoll diese Methode ist.
Was ist für Sie das Besondere an Craniosacral Balancing – und wie erleben Sie seine Wirkung in der praktischen Arbeit mit Menschen?
Das Besondere an Craniosacral Balancing ist für mich, dass ich bei jeder Behandlung die Einzigartigkeit jedes Menschen und jedes Körpers spüren darf. Ich bin fasziniert, wie mir der Körper meiner Kund:innen nach seinem eigenen inhärenten Behandlungsplan zeigt, welche Unterstützung er von mir braucht.
Bei meiner Arbeit darf ich immer wieder erleben, wie meine Kund:innen entspannter, zufriedener oder glücklicher nach meiner Behandlung nach Hause gehen.
Die meisten Menschen sind (so wie ich) zu Beginn erstaunt, wie deutlich ihre Körpersignale sind und wieviel Veränderung schon durch eine Behandlung möglich ist. Meine Stammkund:innen kommen regelmäßig zu mir, weil sie den Effekt meiner Arbeit als „Miniauszeit“ vom Alltag oder zum Krafttanken nützen.
Ihre Workshops behandeln Themen wie Resilienz oder den Umgang mit Gefühlen. Wie fließen Ihre Erfahrungen aus der Körperarbeit in diese Seminare ein?
In meinen Seminaren nehme ich immer wieder inhaltlich Bezug auf den Körper. Ich integriere Körperübungen und lasse dabei die TN:innen erfahren, wie sich bestimmte Gefühle im Körper zeigen.
Meist reicht es schon, die TN:innen darauf aufmerksam zu machen, sodass sie dann selbst Ideen entwickeln, wie sie sich in stressigen oder emotional herausfordernden Situationen ihre Körpersignale zunutze machen können.
Oft reichen minimale körperliche Veränderungen wie z.B. ein tiefer Atemzug, um Stress abzubauen und wieder neu Kraft zu schöpfen. Je mehr solcher Ideen und „Tricks“ wir gemeinsam finden, desto selbstbewusster verlassen die TN:innen meine Seminare und haben wieder ein Stück mehr an Resilienz gewonnen.
Mag. Sabine Rautek: Begegnungen, die unter die Haut gehen

Gab es ein Erlebnis in Ihrer Praxis oder in einem Seminar, das Sie persönlich besonders berührt oder geprägt hat?
Ein besonders schönes Erlebnis hatte ich mit einer Familie, die wegen der Schreianfälle ihres Babys zu mir gekommen ist. Während der Behandlung binde ich immer beide Eltern mit ein und „leihe dem Baby meine Stimme“, indem ich das in Worte fasse, was ich anhand des Weinens und des körperlichen Ausdrucks des Kindes sehe.
Ein Elternpaar war davon so berührt, dass beide Erwachsenen vor Freude geweint haben. Das Baby hat sich daraufhin friedlich an die Mutter geschmiegt, während der Vater Frau und Kind von hinten liebevoll unterstützend umarmt und gehalten hat.
Abseits solcher Sternstunden bin ich aber auch für alle kritischen Fragen dankbar, denn sie haben mich gelehrt, mich immer weiterzuentwickeln und noch genauer zu recherchieren, damit ich erklären kann, was ich tue und was mir wichtig ist.
Was wünschen Sie sich von Schulen und Betreuungseinrichtungen im Umgang mit Beziehung und herausforderndem Verhalten bei Kindern?
Der größte Wunsch den ich an die Pädagog:innen habe, ist, dass sie bei ihrer Arbeit niemals den Blick auf jedes individuelle Kind verlieren, sondern, dass ihre Liebe zu den ihnen anvertrauten jungen Menschen sie bei ihrer Arbeit leitet.
Seitens der Verantwortungsträger:innen braucht es dazu dringend eine Verbesserung des Betreuungsschlüssel, damit die Pädagog:innen ihre Arbeit auch in diesem Sinne durchführen können. Außerdem sollte es mehr und leichter zugängliche psychologische unterstützende Maßnahmen sowie finanzielle Anerkennung geben.
Seitens der Öffentlichkeit wünsche ich mir mehr Wertschätzung dieses Berufsstandes, da Pädagog:innen oft unter schwierigen organisatorischen Bedingungen ihre Arbeit leisten.
Neben Behandlungen und Seminaren schreiben Sie auch Bücher und halten Vorträge. Was treibt Sie an, Ihr Wissen auf so vielen Wegen weiterzugeben – und worauf freuen Sie sich in Ihrer Arbeit besonders?
Meine Bücher sind von meiner Überzeugung geprägt, dass in jedem Menschen ein guter Kern steckt, den es zu finden und zu bestärken gilt.
Insofern beruhen meine vermeintlich unterschiedlichen Standbeine alle auf derselben Basis, nämlich: das Gesunde, Heilsame, die Resilienz in den Menschen zu fördern. Ich hoffe, mit meinen verschiedenen Angeboten möglichst viele Personen zu erreichen und dadurch meine Überzeugung, dass ein wertschätzender, achtsamer Umgang allen guttut, weiter zu verbreiten.
Daher freue ich mich auch am Ende jedes Seminars ganz besonders, wenn mir TN:innen sagen, dass sie sich verstanden fühlen und nun wieder bestärkt und mit neuen Ideen in ihren Arbeitsalltag zurückgehen.
Über Mag. Sabine Rautek:
Ich bin mit Leib und Seele Pädagogin, also ein Mensch, der es liebt, andere Menschen, egal welchen Alters und in welcher Lebenssituation, bei ihrem Wachstum zu unterstützen und zu begleiten.
Dazu setze ich all mein erworbenes Fachwissen aus diversen Ausbildungen, meine Lebenserfahrung als vierfache Mutter und Ehefrau sowie meine unerschütterliche Überzeugung ein, dass in jedem Menschen viel Kraft und Gesundheit stecken.
Genaueres über meinen beruflichen und persönlichen Werdegang hier


