Mag. Petra Döller begleitet Menschen durch tiefgreifende Veränderungsprozesse – mit psychosozialer Beratung, traumapädagogischer Körperarbeit und systemischen Zugängen. Ihr eigener Wendepunkt war keine Theorie, sondern gelebte Erfahrung: Eine Lebenskrise wurde zum Ausgangspunkt für Heilung, Selbsterkenntnis und berufliche Neuausrichtung. Heute schafft sie Räume, in denen Wut, Trauer, Sehnsucht und Lebenskraft nicht nur Platz haben, sondern Wegweiser werden.
Im Gespräch gibt sie Einblicke in ihre Arbeit mit dem verlorenen Zwilling, ihre Haltung zu unterdrückten Gefühlen – und wie echte Veränderung beginnt, wenn der Körper wieder sprechen darf.
Interview mit Mag. Petra Döller

Was hat Sie zur psychosozialen Beratung und Körperarbeit geführt ? Gab es einen persönlichen Wendepunkt in Ihrer Entwicklung, eine persönliche Krise?
Ja, und er hat mein Leben komplett verändert. Es war der Moment, als meine Ehe zerbrach Ich war Anfang vierzig, meine Kinder waren mitten in der Pubertät. Plötzlich standen alle Themen meiner eigenen Vergangenheit wieder vor der Tür: Trauer, Wut, Ohnmacht – Gefühle, die ich als Kind erfahren hatte und die ich glaubte, längst hinter mir gelassen zu haben.
Ich habe in dieser Zeit erkannt, dass wir Vergangenes nicht einfach abschütteln können. Ich habe erfahren, wie sehr alte Wunden unser Leben lenken können. Wenn wir unseren Themen keinen Raum geben, wiederholen sie sich.
Echter Wandel beginnt im Fühlen, im Annehmen dessen, was da ist.
Diese Krise war mein Aufbruch: zuerst zu mir selbst, dann in die Begleitung anderer Menschen. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn das Leben ins Wanken gerät und ich weiß auch, welche Kraft darin steckt, den eigenen Weg zu finden.
Welche konkreten Angebote aus Ihrem breiten Portfolio sind Ihnen aktuell besonders wichtig – und an wen richten sie sich?
Meine Angebote richten sich an Menschen, die merken: Irgendwo in meinem Leben komme ich nicht weiter. Das kann in der Partnerschaft sein, wenn Nähe schwierig bleibt. Im Beruf, wenn Erfüllung und Erfolg fehlen. In der Gesundheit, wenn der Körper Symptome zeigt, die niemand erklären kann oder in der persönlichen Entwicklung, wenn sich alles festgefahren anfühlt.
Ich arbeite mit:
- Dem verlorenen Zwilling: ein oft unerkannter Ursprung tiefer innerer Sehnsucht oder Trauer.
- Traumapädagogischer Körperarbeit: um das Unsichtbare fühlbar zu machen.
Hier darf der Körper ausdrücken, was der Kopf oft nicht greifen kann – begleitet von Klangmassagen, Trancereisen oder bioenergetischen Körperübungen
- Systemischen Aufstellungen: um Klarheit über Beziehungen, Familie oder berufliche Dynamiken zu gewinnen.
- Dem Workshop „Schrei dich frei“: Ein geschützter Raum um unterdrückte Wut als Zugang zu Lebenskraft und Klarheit zu entdecken.
- Orthomolekularer Beratung als wesentliche Ergänzung, damit der Körper mit den richtigen Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen die nötigen Ressourcen für Veränderung bekommt.
Meine Klient:Innen kommen aus allen Lebensbereichen – Führungskräfte, die innerlich ausgebrannt sind, Eltern, die sich in der Fürsorge selbst verloren haben, Menschen mit gesundheitlichen Themen, Paare in Beziehungskrisen, Selbstständige auf der Suche nach Erfolg, Frauen, Männer, Diverse auf der Suche nach sich selbst.
Mag. Petra Döller: Wie traumapädagogische Körperarbeit wirkt

Traumapädagogische Körperarbeit zielt darauf, vom Kopf ins Gefühl zu kommen – wie läuft so eine Sitzung typischerweise ab?
Wir starten dort, wo du gerade stehst. Viele meiner Klient:innen haben gelernt, ihre Gefühle zu kontrollieren oder gar nicht mehr wahrzunehmen. Ich schaffe einen sicheren Raum, in dem alles sein darf: die Wut, die Trauer, die Angst. Über einfühlsame Gespräche, Atem, Klang, Bewegung und Berührung laden wir den Körper ein, sich zu erinnern und auszudrücken.
Gefühle, die lange blockiert waren, dürfen auftauchen – begleitet und gehalten. Ziel ist es, dein Nervensystem zu unterstützen, sich selbst zu regulieren. Damit sich Ruhe, Kraft und Klarheit wieder entfalten können.
Sie arbeiten auch mit dem sogenannten „verlorenen Zwilling“ – was zeichnet diese spezielle Traumaform aus, und wie unterstützen Sie Betroffene dabei?
Viele Menschen tragen eine tiefe Trauer, ein Schuldgefühl oder ein Gefühl der Unvollständigkeit in sich, ohne zu wissen, warum. Oft liegt der Ursprung im Mutterleib, wenn ein Zwilling früh geht und der andere bleibt.
Diese Erfahrung bleibt im Körpergedächtnis gespeichert, auch wenn wir keine bewusste Erinnerung daran haben, da die Zwillinge mehrheitlich in einem sehr frühen Stadium abgehen, noch bevor sie durch Ultraschall festgestellt wurden.
Ich begleite Menschen dabei, dieser sehr frühen Prägung im Körper zu begegnen.
Über geführte Trancereisen, Aufstellungen, Körperarbeit, kreative Methoden und Gespräche entsteht oft ein tiefes Erkennen: „Ich war nicht allein und musste trotzdem alleine weitergehen.“ Das verändert Beziehungen, Selbstbild, Beruf, das gesamte Lebensgefühl.
Gerade Menschen, die durch künstliche Befruchtung entstanden sind, tragen diese Thematik überdurchschnittlich oft in sich. Besonders auch für sie schaffe ich diesen geschützten Raum.
Der Workshop „Schrei dich frei“ scheint sehr intensiv – können Sie den Effekt erläutern und warum Ihnen gerade das Thema Wut wichtig ist?
Wut ist für viele ein fremdes, fast verbotenes Gefühl, das viele Menschen verlernt haben zu fühlen oder durch das sie überbordet werden. Doch sie ist unsere Grenze, unsere Lebenskraft. Wer keinen Zugang zu seiner erlösten, angemessenen Wut hat, verliert auch Klarheit, Selbstbewusstsein, Lebendigkeit, Entscheidungsfreudigkeit und Antriebskraft.
Im Workshop schaffen wir über Stimme, Bewegung und körperlichen Ausdruck Raum für den natürlichen Zugang zu dieser Kraft. Danach berichten viele, dass sie sich gestärkt, aufgerichtet, lebendig fühlen. Und genau das braucht es, um im Leben präsent zu sein.
Welche Methode aus Ihrem Angebot wird besonders gut angenommen – und welche Erfahrungen oder Erfolge haben Sie damit gemacht?
Die Arbeit mit dem verlorenen Zwilling berührt viele besonders tief. Menschen verstehen plötzlich ihr Beziehungsmuster, ihre Rastlosigkeit, ihre beruflichen Blockaden. Die Resonanz auf dieses Thema ist deswegen so groß, weil es etwas anspricht, was viele nicht erklären konnten, aber immer gespürt haben.
Auch die Wut-Arbeit führt oft zu echten Durchbrüchen, privat, beruflich, gesundheitlich. Wenn Wut ihren Platz bekommt, lösen sich oft jahrelange Spannungen im Körper. Grenzen werden spürbar, Klarheit kehrt zurück.
Alles greift ineinander, weil alles zusammenhängt.
Über Mag. Petra Döller:
Ich sehe mich nicht als „die Wissende“, sondern als Wegbegleiterin. Ich lade ein, ich halte den Raum für das, was in dir gesehen werden will. Ich höre zu, ich spüre mit, ich stelle Fragen und begleite, bis du deine eigene Antwort findest.
Wenn du beim Lesen gespürt hast: „Da ist etwas, das mich betrifft“, dann lade ich dich ein. Vielleicht ist jetzt der Moment, dich auf den Weg zu machen. Ich gehe ein Stück mit dir.


